Paulina37
11.08.2008, 11:17
Hallo, es geht um meinen 15jährigen Sohn der mit einer einseitigen LKG geboren wurde. Vor einem Jahr klagte mein Sohn über verstärkte Lautwahrnehmung bei Tönen im Hochfrequenzbereich wie s oder z. Früher hatte er sehr oft Mittelohrenentzündungen, an einem Ohr wurde eine Trommelfellplastik durchgeführt. Ich war deswegen mit ihm in der Klinik für Audiologie wo mehrere Hörtest nur ergaben das er sehr gut hört. Früher waren die Hörtests immer etwas schlechter ausgefallen. Der Arzt meinte das er sich an das "ungewohnte gut hören" mit der Zeit gewöhnen müßte.
Gibt es noch andere Eltern oder Betroffene die ähnliches erlebt haben?
Bei passiert etwas ähnliches manchmal wenn ich einen schlimmen Schnupfen habe. Dann zieht irgendwelcher Schnodder in mein Ohr und ich höre plötzlich viel schlechter als sonst; etwa so, als würde ich Oropax tragen.
Ich kompensiere das, indem ich konzentriert hinhöre um zu verstehen, was andere und indem ich mich im Straßenverkehr öfter mal umdrehe, anstatt mich darauf zu verlassen, dass ich herannahende Autos schon hören werde.
Wenn der Schnodder dann abzieht, habe ich mich an den scheinbar geringeren Geräuschpegel gewöhnt und muss mich dann wieder an das gute Hören gewöhnen. In dieser Phase kann es passieren, dass ich panisch in die Büsche springe, weil ich glaube, ein wildgewordener Autofahrer würde direkt hinter mir einen Kavalierstart hinlegen und mich gleich überrollen, obwohl das Auto mehr als fünfzig Meter entfernt ganz gemütlich anfährt. Aber diese Schreckreaktionen geben sich recht schnell wieder. Außerdem sind alltägliche Geräusche plötzlich schmerzhaft laut (Ein scheppernd zu Boden fallender Topfdeckel kann dieser Gewöhnungsphase lange nachklingeln)
Ein weiteres Phänomen in dieser Phase ist, dass man Hintergrundgeräusche nicht mehr so leicht ausblenden kann. Ein Beispiel: Beim Gehen reiben die Hosenbeine aneinander und das macht ein Geräusch (Bei Jeans ist das besonders gut zu hören). Normalerweise nehmen wir das gar nicht wahr, weil das Gehirn es als bekannt und unwichtig aussortiert und nicht ins Bewusstsein hebt. Wenn man darauf achtet, kann man das Geräusch aber sehr wohl hören; es liegt also nicht unterhalb der organischen Wahrnehmungsschwelle. Wenn nun das Gehör aufgeht, scheint das Geräusch viel lauter zu sein, als man es gewohnt ist (Plötzlich klingt es bei jedem Schritt so, als würde man zwei Bogen Sandpapier aneinander reiben). Dann sortiert das Gehirn den Ton nicht mehr automatisch aus, sondern versucht ihn zu identifizieren, man beginnt, das bewusst zu hören. Nun ist das Reiben der Hosenbeine nicht das einzige, was sich einem ins Bewusstsein drängt; das Rauschen des Windes im Laub, die Schritte der Leute um einen herum, man hört Autos aus viel größerem Umkreis, Menschen plappern durcheinander... Da prasseln unglaublich viele Eindrücke auf einen ein, was sehr anstrengend sein kann. Außerdem dauert diese Neubewertung von Geräuschen nach wichtig und unwichtig eine Weile; deutlich länger als Ablegen der Schreckreaktionen.
Wenn Dein Sohn im Verlauf der Eingewöhnungsphase nervös, unruhig und aufgekratzt ist, liegt das wahrscheinlich daran, dass ihn die vielen ungewohnten Eindrücke überfordern. Wenn mir das nach einem langen Schnupfen passiert, höre ich Musik über Kopfhörer; das dämpft die vielen chaotischen Eindrücke von außen. Die Musik ist zwar nicht unbedingt leiser als die Umwelt, aber sie ist nicht so chaotisch, und sie ist etwas, auf das man sich gut konzentrieren kann, was das Ausblenden der Nebengeräusche erleichtert. Das ist dann sehr entspannend; egal was für eine Musik er nun hört.
sandra dirscherl
13.08.2008, 09:14
Hallo Paulina,
was Du beschreibst hatte Annabell nach ihrer ersten OP, als die Ohren wieder frei waren. Da war sie 1 1/2 J. Bei jedem Geräusch hat sie angefangen zu heulen und sich die Ohren zugehalten. Da man es ihr schlecht erklären konnte, dass diese Geräusche normal sind dauerte ihre Eingewöhnungsphase ziemlich lange. Mittlerweile macht sie aber selbst die lautesten Geräusche bei uns im Haus.
LG
Sandra
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