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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Einzeitige OP im 1. Jahr (Basler Konzept) oder den Horrormeldungen darüber glauben?


Mathduck
09.08.2008, 19:32
Ok, nachdem ich mich bei der Suche nicht verschrieben habe, habe ich auch diverse Postings darüber gefunden, sorry für den Doppelpost. Wenn Ihr noch etwas dazzu sagen möchtet, was nicht schon gesagt wurde, seid willkommen. Lese die Treffer.......

Hallo,

glaubt man den Vertretern der Baseler Methode, wird bei einer LKG alles komplett im ersten Lebensjahr problemfrei geschlossen. Auch der Kiefer!
Das hat natürlich den Vorteil, daß die Kinder weniger Traumas bekommen und sich die Sprache gleich von Anfang an richtig entwickelt.
Die Uniklinik Frankfurt am Main (Dr. Sader) operiert nach dieser Methode. Bisher sind die Meinungen die ich fand eher positiv aber die Kinder sind alle noch nicht erwachsen.

Gegner dieser Methode erzählen von zu engen Mundräumen, tausend Komplikationen im Jugend/Erwachsenenaler und raten dringend zu der etablierten Methode (alles nacheinander, Kiefer erst wenn schon bald ausgewachsen) ab.
Vor allem im Erwachsenenalter soll es zu schweren Komplikationen kommen bei zu frühem Verschluß durch Verwachsungen und viel zu niedrige Gaumen. Auch die Sprachentwicklung würde zerstört, durch einen viel zu kleinen Mundraum.
Fürsprecher sagen, daß dies früher einmal so war aber mit moderner Medizin alles mitwächst und sich eigener Knochen bildet im Wachstum. Selbst wenn so was wäre würde die moderne Kiefernorthopädie das locker hinbekommen.

Jetzt sind wir natürlich total verunsichert, der OP Termin rückt näher und wir wissen nicht welcher Meinung wir glauben schenken sollen. Scheint ein Glaubenskrieg in der Medizin zu sein.
Wir wollen den Kleinen nicht unnötig quälen, im Erfolgsfall ist früher auch psychisch sicher besser. Und Anhänger veralteter Technologien die immer noch unken wenn sich was klar durchgesetzt hat (sowas wie Fotografien fangen die Seele ein und sind Teufelszeug) gibt es überall. Was aber wenn sie recht haben.

Über Meinungen und vor allem auch Erfahrungsberichte der beiden Konzepte würde ich mich sehr freuen.

Entschuldigt wenn ich einen entsprechenden Threat übersehen habe, habe aber darüber nichts gefunden, nur die Kliniksteckbriefe.

Danke

Mathduck

Vronileine
09.08.2008, 20:14
Puh, schwierige Frage.
In Wien sagen sie, daß der Schädel (und somit Gaumen) in den ersten 2 Jahren derartig wächst. Deshalb ist bei uns der harte Gaumen erst mit 2 Jahren dran, wenn der Schädel halbwegs "ausgewachsen" ist.
Der weiche Gaumen hinten ist flexibler (weil ja nicht hart) und wächst auch mit Naht gut mit.

Aber wie gesagt: es gibt noch keine "Alten" einzeitig operierten. Das Angebot ist sehr verlockend, deshalb versteh ich, wenn man es als Alternative in Betracht zieht. Vielleicht wächst ja DOCH alles gut mit ?!? Wer weiß?

Jede OP dauerte bisjetzt an die 3 Stunden. Also ich wei0 gar nicht, wie die das einzeitig hinkriegen sollen :gruebel:.

Dann sind die Babies ja ziemlich angeschwollen. Wie kriegen die, nachdem der Gaumen zugenäht wurde, noch die Lippe schön und genau hin, wenn alles schon so überreizt ist?

Am besten, es melden sich welche, die einzeitig operieren haben lassen, läßt dich von denen beraten, siehst Dir die Fotos an und...ja, Bauchgefühl ist das wichtigste!

Mein Sohn hat nach jeder OP (voralem Weichgaumen) extrem gelitten. Wäre er alles gleichzeitig operiert worden...na, servus Geschäft! (das heißt soviel wie: furchtbar!)

Mathduck
09.08.2008, 21:40
Vielen Danke für die erste, schnelle Antwort!

Nachdem ich die entsprechenden Postings welche sich schon früher mit dieser Frage beschäftigt haben durchgesehen habe, bin ich um die Erkenntnis reicher, daß hier wohl extrem heterogene Ansichten existieren die sehr leidenschaftlich und teilweise emotional vertreten werden.
Leider finden sich wenig konkrete, vergleichbare Hinweise auf die OP Methoden, die Diskussion findet auf einer Metaebene statt.

Aber mir viel auf, daß bereits 2004 von einer bzw. mehreren Langzeitstudie(n) die Rede ist, welche die Basler Methode "legitimieren" würden.
Nun, inzwischen ist es 2008, in 4 Jahren sollte es doch irgendetwas dazu geben. Die ältesten Kinder sind jetzt 18/19. Wie immer gibt es jetzt mehrere Möglichkeiten:
1.) Ich bin zu doof sie zu finden und sie liegen vor. In diesem Fall bitte ich um einen erleuchtenden Link.
2.) "Langzeit" ist noch nicht rum oder das Schreiben, gegebenenfalls für verschiedensprachige Spezialistengruppierungen dauert einfach noch.
3.) Man überdenkt bzw. verzögert die Veröffentlichung aus irgendeinem Grund. Wenn das Ergebnis nicht positiv genug ist fällt mir dazu als Spontangrund ein. Allerdings habe ich auch noch nie eine selbstbeauftragte Studie gesehen, die ein dem Brötchen- -Verzeihung- Auftragsgeber gegenüber negatives Ergebnis erarbeitet.

Für alle Hinweise dankbar, Euer immer noch verunsicherter

Mathduck

Kirsten und Noel
09.08.2008, 21:56
Gegner dieser Methode erzählen von zu engen Mundräumen, tausend Komplikationen im Jugend/Erwachsenenaler und raten dringend zu der etablierten Methode (alles nacheinander, Kiefer erst wenn schon bald ausgewachsen) ab.
Vor allem im Erwachsenenalter soll es zu schweren Komplikationen kommen bei zu frühem Verschluß durch Verwachsungen und viel zu niedrige Gaumen. Auch die Sprachentwicklung würde zerstört, durch einen viel zu kleinen Mundraum.


Hallo Mathduck,

es gibt ganz klar Skeptiker dieses Konzepts (und zu diesen zähle ich mich selbst aus diversen Gründen auch), aber ich finde Deine Darstellung doch sehr dramatisch - wo genau hast Du denn solche Befürchtungen gefunden? Ich denke, niemand spricht wirklich von "1000" Komplikationen" oder einer "Zerstörung" der Sprachentwicklung. Die Bedenken gehen eher dahin, dass es zu Wachstumsstörungen im Mittelgesicht kommen kann (durch die frühe Narbensetzung vor Abschluss des Kieferwachstums), was dann eben zu Folge-OPs, nicht optimalem Ergebnis und aufwendiger Kfo-Behandlung führen kann. Auch die Dauer des Eingriffs am Baby ist nicht ohne, da stellt sich natürlicherweise die Frage, ob man den jungen Organismus so früh schon so stark belasten muß, denn lebensnotwendig sind die LKGS-OPs ja nun nicht, sie haben Zeit.

Und wieso bezeichnest Du die Kritiker des Basler Konzepts als "Anhänger veralteter Technologien"? Das trifft die Sache nicht wirklich, denn das mehrzeitige Konzept an sich gibt es zwar schon recht lange, das heißt aber selbstverständlich nicht, dass dabei auch veraltete OP-Techniken angewandt werden, im Gegenteil. Auch die Ärzte, die mehrzeitig operieren, sind technologisch auf dem neuesten Stand. Es geht ja dabei mehr um den günstigeren Zeitpunkt für den Verschluss der einzelnen Bereiche. Den "optimalen" Zeitpunkt gibt es nicht, optimal wäre es, wenn beim Embryo die Gaumenwülste zusammengewachsen wären ;-) Alles andere muß also immer suboptimal und ein Kompromiss sein.
Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass es wachstumstechnisch von Vorteil ist, eher später zu operieren.
Funktional gesehen wäre es hingegen besser, möglichst früh zu operieren, damit alle Vorgänge im Mund so schnell wie möglich unter normalen Bedingungen ablaufen können - aber ein von Anfang an gibt es so oder so nicht, denn alle Vorgänge haben sich bis zur Geburt ja ohnehin schon 9 Monate lang unter unnormalen Bedingungen abgespielt. Das Ungeborene hat Fruchtwasser geschluckt mit "falschem" Schluckmuster und unnormaler Zungenlage, viele Male jeden Tag, da ist so oder so eine Gewöhnung da.
Ich finde, das relativiert das Argument von wegen "von Anfang an richtig entwickeln" ein wenig.

Aber Du hast schon recht, es ist auch eine Art Glaubenskrieg, und die Eltern müssen sich wohl oder übel für etwas entscheiden. Die Unterschiede spielen sich aber, so muß man das einfach sehen, in relativ kleinem Rahmen ab, und das "Endergebnis" hängt von vielen Faktoren ab, die man letztlich nicht wirklich unter Kontrolle hat...

Mathduck
10.08.2008, 00:34
Erneut danke fürs feedback. Das mit den 1000 Komplikationen meinte eine auf LKG spezialisierte Dame aus der Kieferorthopädie (erweiterter Bekanntenkreis der Familie), die sich aktiv bei unserer Familie meldete um uns vor dem Baseler Konzept zu warnen, ich selbst war da nicht dabei, plane da aber nachzuhaken. Insofern ist das erstmal Hörensageninfo.

Und wieso bezeichnest Du die Kritiker des Basler Konzepts als "Anhänger veralteter Technologien"?
Habe ich nie getan. Ich sagte, daß es generell immer Anhänger alter Technologien gibt die das Rad der Zeit nicht bemerken und sich an ihrem alten Zeug krampfhaft festhalten und es bis zum Blut verteidigen. Erlebt man in jedem Bereich, gibts bestimmt auch in der Medizin. Und es ist im Einzelfall für den Laien wie z.B. mich nicht leicht zu erkennen ob es sich um ernstzunehmende, berechtigte Kritik oder um "Bremsen" handelt. Ansonsten wüßte ich in diesem konkreten Fall der unterschiedlichen Konzepte ja für welche Seite ich mich entscheide.
FALLS - und ich betone den Konjunktiv - das Basler Konzept eine ausgereifte, moderne Methode sein sollte, die besser als die existierende ist und diese langsam ablöst, dann wären die Anhänger der bislang existierenden Methode Anhänger einer zunehmend veralteten Technologie.
Im Moment kann ich eine solche Aussage aber nicht machen weil ich durch die widersprüchlichen Aussagen total verunsichert bin.
Die selben Anhänger könnten (wieder Konjunktiv) auch die Stimme der Vernunft vor dem Wahnsinn aus Basel sein. Und alle Grauzonen dazwischen :nixweiss:

dario und jasmin
10.08.2008, 13:09
hallo, es gibt einige hier die von sader operiert wurden, am besten direkt anschreiben siehe behandlungslisten.

wir wurden vor 1,5 bei ihm operiert und es sind immer noch alle- auch andere ärzte begeistert- ich kann ihn also nur empfelen.

hört euch am besten seine meinung im beratungsgespräch selber an, gibt auch ein schönes buch von honigmann- der gründer/ entwickler der methode, und hört euch von anderen Ärzen die meinungen an.

im internet steht nicht immer nur die wahrheit und selten sind es ärzte die schreiben.

also selber bei den personen die da waren und bei den ärzen nachfragen- wobei natürlich jeder sein konzept vertritt.

lieben gruss, jasmin

dario und jasmin
10.08.2008, 13:12
da kann man auch noch bisschen nachlesen...

http://www.lkg-ade.ch/200908/4665.html?*session*id*key*=*session*id*val*

Kirsten und Noel
11.08.2008, 11:20
Hallo Mathduck,

ich kann gut nachvollziehen, dass Du verunsichert bist, das ging uns vor 4 Jahren nicht anders. Da kann es, glaube ich, helfen, sich klarzumachen, dass jedes mit Spalte geborene Kind in diesem Land eine gute medizinische Versorgung auf sehr hohem Niveau bekommt, ganz egal, nach welchem Konzept es operiert wird. Die Hauptsache ist doch, dass man einen guten Operateur findet, dem man vertraut. Die Unterschiede sind, wie ich schon schrieb, gering.

Dass die Wogen bei diesem Thema manchmal so hoch schlagen, liegt m.E. gerade daran, dass man so in Seiten aufteilt, von "veralteten Technologien" und "Bremsen" redet. Das geht an der Sache eigentlich sogar vorbei, denn die Unterschiede bei "altem" und "neuem" Konzept liegen eben NICHT in den angewandten OP-Techniken, sondern hauptsächlich in den gewählten Zeitpunkten für die nötigen Eingriffe. Und auch da kann man in der Praxis sehen, dass diese sich immer mehr annähern - auch viele Chirurgen, die mehrzeitig operieren, legen die Zeitpunkte immer mehr nach vorn.
Kein Konzept ist das Nonplusultra, und genauso ist keines ein "Wahnsinn". Man legt als Eltern bei der Entscheidung ganz klar einen Schwerpunkt, aber wirklich "falsch" entscheiden kann man sich, glaube ich zumindest, gar nicht. Und am Ende kann man eh nur hoffen, dass die Entscheidung im jeweiligen Fall gut war.
:hallo: