Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Stephe Biddulph
Petra und Julius
09.01.2008, 09:54
Hallo!
Hier eine Empfehlung, die nicht spezifisch auf Spaltkinder bezogen ist (hoffentlich trotzdem hier erlaubt):
Stephe Biddulph ("Das Geheimnis glücklicher Kinder" 1 und 2, besonders auch "Jungen! Wie sie glücklich aufwachsen"). Die Bücher sind mittlerweile ja schon sehr bekannt.
Bin eigentlich kein großer Fan von Erziehungsbüchern, aber bei diesen war es anders, mir haben sie sehr gefallen und geholfen. Die Bücher sind mit viel Humor geschrieben, leicht und amüsant zu lesen.
Mein Mann war auch von "Männer auf der Suche" begeistert.
Doreen mit Elisei
09.01.2008, 11:02
Das sind die einzigen Erziehungsbücher die mein Mann jemals in die Hand genommen und sogar gelesen hat.:D
Nina mit Leonie
09.01.2008, 11:36
Finde ich auch ganz toll!
Nur leider fehlt mir die Antwort auf eine Frage: Wie bringe ich meine Kinder dazu, die ihnen auferlegten Pflichten und Aufgaben auch selbständig zu erfüllen?? :cry:
Werd Herrn Biddulph wohl mal schreiben...
Doreen mit Elisei
09.01.2008, 11:52
Die Antwort würde mich auch brennend interessieren.:D
Petra und Julius
09.01.2008, 12:08
ja, mich auch!!! Trotz aller Wertschätzung für den Autor, machnche Kinder sind anscheinend gegen die eine oder andere Maßnahme immun... :wall:
Nina mit Leonie
09.01.2008, 13:28
ja, mich auch!!! Trotz aller Wertschätzung für den Autor, machnche Kinder sind anscheinend gegen die eine oder andere Maßnahme immun... :wall:
Wohl eher "viele" und nicht nur "manche", wenn ich Eure Antworten so sehe! :D
Ich werde dann wohl mal schreiben...:kaffe:
Kirsten und Noel
09.01.2008, 14:44
Finde ich auch ganz toll!
Nur leider fehlt mir die Antwort auf eine Frage: Wie bringe ich meine Kinder dazu, die ihnen auferlegten Pflichten und Aufgaben auch selbständig zu erfüllen?? :cry:
Werd Herrn Biddulph wohl mal schreiben...
Hallo Nina,
ich fand die Biddulph-Bücher auch sehr ansprechend geschrieben, wie aus dem Leben! Vor allem einen Rat habe ich beherzigt: wenn die Kinder quengeln oder mit jammernder Stimme reden (Sachen wie "mir ist sooooo langweilig" oder "ich will aber jetzt sofort ein Eis!"), bitte ich sie, nach Mr. Biddulph: "Bitte sprich in normalem Tonfall!" Das hat erstaunlicherweise immer sofort geklappt, auch als sie noch ziemlich klein waren, und entspannt manche Situationen sofort...
Was das Erfüllen von Pflichten angeht: sind das denn Aufgaben, die sie sich a) selbst aussuchen konnten und die b)genau besprochen wurden, so dass sie auch genau wussten und verstanden haben, worauf sie sich eingelassen haben? Manchmal hat man die Aufgaben einfach falsch verteilt bzw. überschätzt das Vermögen der Kinder, die Tragweite einer Aufgabe richtig einzuschätzen.
Und ganz wichtig: Kinder wollem kooperieren. Wenn sie spüren, dass die Eltern schon gar nicht erwarten, dass sie ihre Aufgaben auch erfüllen, dann kooperieren sie und erfüllen sie eben nicht.
Meine diesbezüglichen Ansichten dazu speisen sich eher aus den Büchern des dänischen Pädagogen Jesper Juul. Der legt Eltern nahe, sich zu überlegen, ob man pflichtbewusste oder lieber hilfsbereite Kinder haben will. Für ihn ist entscheidend, "ob Kinder erleben, dass ihre Eltern Hilfe brauchen, oder ob die Eltern bloss Pflichten verteilen, weil das ja so gut für die Kinder ist" (oder so ungefähr, genauen Wortlaut müsste ich jetzt nachschlagen ;-))
D.h. die Aufgaben müssen wirklich sinnvoll sein, und die Eltern müssen sie wirklich wertschätzen. Und eben unterscheiden: entweder erlegt man Pflichten auf und besteht mit mehr oder weniger großer Machtanwendung darauf, dass diese Pflichten erledigt werden - darf dann aber auch nicht fragen "Hilfst Du mir bitte?"
Oder man legt eben mehr Wert auf Hilfsbereitschaft, und bittet eben ja nach Fall das Kind um Hilfe - und akzeptiert dann auch ein "Nein, ich bin beschäftigt". Der Vorteil: man bekommt, wenn das Kind freiwillig mithilft, keine bloße, vielleicht widerwillig ausgeführte "Serviceleistung", sondern das Kind hilft aus sozialer Verantwortung heraus - weil es sich durch die Wertschätzung seiner Hilfe als wertvolles Mitglied der Familie fühlt. Und das finde ich ein lohnenswerteres Ziel.
Das heisst nach Juul nicht, dass es gar keine strukturierten Pflichten für etwas ältere Kinder geben darf, nur auf lange Sicht ist es vielleicht sinnvoller, auf echte Hilfe zwischen Beziehungspartnern zu bauen, nicht auf Service (das gilt natürlich auch für Service, den die Eltern leisten!)
Sorry für den langen Beitrag, aber das Thema fasziniert mich ;-)
Nina mit Leonie
09.01.2008, 18:16
Hallo Kirsten! :hallo:
Bei uns ist es so:
Wir haben für die Kinder Aufgaben (erst eine, später eine zweite) ausgesucht und sie gefragt, ob sie mit den Aufgaben einverstanden sind - das waren und sind sie. Bei Lena ist das den Mittagstisch abräumen und bei Bedarf den Hausmüll rausbringen (da sie beim Abräumen automatisch sieht, ob der Eimer voll ist). Bei Allison den Kater füttern und den gelben Sack rausbringen (da die Katzenfutterdosen in den gelben Sack gehören).
Leider vergessen beide Kinder beide Aufgaben regelmäßig. Wir haben alles versucht: Ständiges Erinnern, nochmaliges Erklären der Aufgabe, Nachfragen, Schimpfen, Strafen. Meine neueste Strategie (seit heute) ist: was nicht erledigt wurde, mache ich eben selbst und wenn am Nachmittag die Frage kommt:"Mama, machst Du ... mit mir?" Lautet meine Antwort:"Nein, ich muß jetzt z.B. bügeln, weil ich das heute morgen nicht geschafft habe, da ich da noch Findus füttern etc. machen mußte." Damit die Kinder sehen, daß ich Hilfe im Haushalt brauche, um Zeit für Spiele und Unternehmungen zu haben (denn so wird es ab Sommer definitiv sein!!).
Ebenfalls langer Text, da wir uns seit ca. 2 Jahren mit diesem Problem herumschlagen und langsam daran verzweifeln. :cry:
Petra und Julius
10.01.2008, 08:41
Hallo Kirsten! :hallo:
Leider vergessen beide Kinder beide Aufgaben regelmäßig. Wir haben alles versucht: Ständiges Erinnern, nochmaliges Erklären der Aufgabe, Nachfragen, Schimpfen, Strafen.
Nina, bei uns ist es ganz ähnlich! Dazu kommt dann noch oft eine Streiterei zwischen den Kindern, wer mehr oder weniger macht ("warum schon wieder ich?"). Die Diskussion nervt mich, und ich mach's dann manchmal lieber selber. Das ist natürlich der größte Fehler, ist mir schon klar.
Wenn Julius in der Schule eine anstrengende Zeit hat oder eh schon belastet ist wegen OP oder KH-Terminen (was in letzter Zeit oft war), verlange ich weniger von ihm. Pia hat dafür zwar Verständnis, aber sie ist ohnehin schon "gestraft", weil Julius so viel mehr Aufmerksamkeit hat. Ganz sieht sie nicht ein, dass sie auch nocht mehr Aufgaben machen soll, nur weil sie eben keine Spalte hat und in der Schule so gut ist. Schwierig.
Kirsten und Noel
10.01.2008, 09:27
Hallo Ihr Zwei,
hm, ich versuch Euch mal meine Sicht auf diese Dinge zu schildern, falls es Euch interessiert.
Dass jeder in der Familie mithelfen muss, damit es klappt, ist ja was anderes, als wenn man die Aufgaben als Erziehungsmassnahme betrachtet. Der Unterschied ist zwar klein, aber wichtig, weil die Kids ja mitkriegen, welche Motivation bei ihren Eltern dahintersteckt: entweder ein echtes Bedürfnis nach Hilfe, oder sowas wie "er/sie muss doch schliesslich lernen, dass man mithelfen muss und regelmässige Pflichten formen den Charakter" (oder so). DAS muss man glaub ich erst mal für sich klar haben, und danach eben auch vorgehen. Wobei ich eben glaube, dass die Kinder das Mithelfen als Erziehungsaufgabe sehr klar durchschauen und dann entsprechend auch vergessen - weil sie dahinter kein echtes Hilfebedürfnis der Eltern sehen, keinen echten Menschen, sondern eine formale Massnahme.
Allein, dass es extra festgelegt wird, was getan werden soll, signalisiert ja schon die Erwartung, dass man dem Kind erst sagen muss, dass es mithelfen soll, dass es das von allein gar nicht will. Und da Kinder von Natur aus kooperativ sind (d.h. unseren Erwartungen entsprechen wollen), helfen sie dann auch nicht mit. Das ganze Erinnern, Ermahnen etc. verstärkt das Signal an die Kinder, dass Mithelfen anscheinend etwas ist, was man von ihnen gar nicht erwartet, ihnen nicht zutraut.
Darum mag ich persönlich es auch lieber, die Kinder in bestimmten Situationen konkret um Hilfe zu bitten. (Gut, meine sind auch noch kleiner, aber eigentlich möchte ich das auch noch länger beibehalten).
Also nicht: "Fiona deckt jeden Morgen den Tisch" sondern ich bitte morgens: "Fiona, hilfst Du mir bitte und deckst den Tisch?" Dann tut sie es entweder freudig, das ist dann prima, oder sie sagt "Ich bin noch müde" oder "Ich will gerade nicht, ich spiele dies oder das" und das ist dann für mich auch OK. Denn ich weiss ja, dass es über den Tag viele andere Situationen geben wird, in denen sie mir sehr gerne hilft.
Dadurch ist die Hilfe in Beziehung eingebettet und wird gerne gegeben.
Das heisst nicht, dass ich jedesmal darauf Rücksicht nehme, wenn die Kinder etwas nicht tun wollen, was ich gerade unbedingt erledigt haben will. Auf das typische Keine-Lust-Haben reagiere ich dann so:
"David, bringst Du bitte das Altpapier raus?" "Nö, hab gerade keine Lust!" "Das ist OK, Du darfst den ganzen Weg zur Tonne keine Lust haben, aber das Altpapier kommt raus!" Oft funktioniert das ("noch" zumindest") - es kann nämlich schon helfen, dass das Bedürfnis/Gefühl des Kinder (keine Lust zu haben) anerkannt wird, damit sie dann doch helfen.
Wenn dann aber trotzdem das Kind mir die Bitte nicht erfüllen will, mache ich kein großes Theater drum, denn große Diskussionen schaukeln so was nur hoch. Ich finde es auch nicht schlimm, Petra, etwas dann selber zu machen. Ich vertraue darauf, dass in einer neuen, anderen Situation Hilfe auch wieder gern gewährt wird, und das ist auch meistens so.
Das funktioniert natürlich aber auch nur, wenn die Kinder von Seiten der Eltern auch eine grundsätzliche Hilfsbereitschaft erfahren. D.h. ich springe nicht sofort, wenn die Kinder etwas wollen (schon gar nicht bei etwas, was sie schon selber können!), aber ich nehme ihre Bitten schon ernst und bemühe mich, ihnen hilfreich zur Seite zu stehen, wenn sie wirklich Hilfe brauchen.
Überhaupt kann es ungeheuer entlasten, wenn man von den Kindern Selbständigkeit erwartet, da wo es logisch ist: eben dass sie vor allem die Dinge selber tun, die sie auch selbst betreffen! Wir müssen ihnen zutrauen, mit den Dingen unseres Alltags kompetent umzugehen und keine Angst haben, dass Teller zerdeppert werden oder Kinder sich in den Finger schneiden. Ich hab bei uns erlebt, dass auch langweilige Aufgaben gerne erledigt werden, wenn ich die Kinder bei den "interessanten" Sachen auch mithelfen lasse - bei denen z.B., wo man wirklich mit allen Sinnen und vor allem sinnvoll mit dabei sein kann. Essen mit zubereiten etwa - das ist doch viel aufregender, etwas, dass nachher alle essen, mit zu produzieren, als nachher bloss den Müll wegbringen zu dürfen. Die Kaffeemaschine selbständig zu bedienen und den Eltern selbstgekochten Kaffee zu servieren (Lob für das leckere Getränk inbegriffen) macht viel mehr Spass als schmutzige Teller wegzubringen: und es fördert aber auch die Vorstellung, wie überhaupt Müll in der Küche entsteht (benutzter Kaffeefilter) und dass der auch weg muss. Sprich: "ganzheitliches" Helfen sollte es sein. Und vor allem: Helfen, also ein Miteinander.
Nina, Deine Strategie "Wenn Ihr nicht helft, können wir nachmittags nichts Schönes zusammen machen" finde ich super, mache ich auch so - aber eher im Vorhinein. Die Argumentation "ich muss jetzt bügeln, weil ich das (wegen Dir!) heute vormittag nicht machen konnte" hat so viel Schuldzuweisung in sich, dass das die Lust zu helfen vielleicht eher nicht fördert. Das hat dann eher was von "ätsch, selber schuld", und sowas hört wohl niemand gerne. Als Ermutigung vorher klappt es vielleicht besser? Etwa so: "Bitte helft mir mit, wir müssen xyz noch erledigen, damit wir heute nachmittag Zeit zum .... haben." Und wenn dann nicht mitgeholfen wurde, dann ist eben keine Zeit zum ..., das würde ich dann gar nicht mehr thematisieren. Damit legst Du die Angelegenheit ganz in die Verantwortung der Kinder, ohne Schuldzuweisung oder pädagogischen Zeigefinger.
So, genug geschwafelt (über dieses Thema könnte ich ewig reden, finde ich total spannend) jetzt wartet nämlich meine Bügelwäsche. ;-)
Ritschie
10.01.2008, 14:03
Dass jeder in der Familie mithelfen muss, damit es klappt, ist ja was anderes, als wenn man die Aufgaben als Erziehungsmassnahme betrachtet. Der Unterschied ist zwar klein, aber wichtig, weil die Kids ja mitkriegen, welche Motivation bei ihren Eltern dahintersteckt: entweder ein echtes Bedürfnis nach Hilfe, oder sowas wie "er/sie muss doch schliesslich lernen, dass man mithelfen muss und regelmässige Pflichten formen den Charakter" (oder so).
(...)
Und da Kinder von Natur aus kooperativ sind (d.h. unseren Erwartungen entsprechen wollen), helfen sie dann auch nicht mit.
Das klingt in der Therorie ja ganz logisch, Kirsten, aber in der Praxis sieht es dann zum Teil doch anders aus.
Johanna und Luise ist meiner Meinung nach durchaus klar, dass es keine reine erzieherische Maßnahme ist, wenn sie ihr Kinderzimmer aufräumen müssen, sondern dass sie uns damit helfen.
Denn: es ist z.B. in allen Etagen aufräumen, putzen und saugen angesagt. Doris und ich teilen uns die Arbeit, damit wir nicht den ganzen Tag dafür brauchen. Johanna und Luise sollen uns helfen (schließlich haben sie Zeit, keine Verabredung usw.) und wissen schon, dass es keine grundsätzliche Pflicht zur Charakterbildung sondern ein Teil des "Projekts Menschenwürdige Wohnung" ist, jetzt ihre Teppiche freizuräumen und das eine oder andere Kleidungsteil wegzulegen (wenn man 10 und 7 Jahre alt ist, weiß man das. Außerdem bekommt es jede an diesem Tag ja auch noch mal ganz frisch erklärt). Damit einer von uns saugen kann. Danach wäre es schön, wenn sie in dem ausschließlich von ihnen genutzten Badezimmer ebenfalls so Dinge wie Socken oder Unterwäsche wegräumen und Zahncremeflecken wegrubbeln würden (warum haben sie das eigentlich nicht sofort gemacht?).
Wenn man nach einer angemessenen Zeit (einer wirklich sehr angemessenen Zeit!) mal nachschaut sind aber nur 50% der Sachen erledigt. Johanna sitzt am Schreibtisch, Luise hockt auf dem Teppich und beide "daddeln rum".
Diese und ganz ähnliche Situationen erleben wir immer wieder und die Tatsache, dass wir es auch immer wieder von Freunden und Bekannten so hören, lässt in mir die Hoffnung keimen, dass es nicht an einem charakterlichen Mangel unserer Kinder liegt. Ich denke auch nicht, dass wir eine grundsätzliche falsche "Erziehung" (ich mag das Wort nicht so besonders) haben, weil sie bei anderen Sachen selbstverständlich kooperieren. Und nicht nur dann, wenn es spannend ist oder sie darin einen besonderen Sinn sehen.
Nee nee, es geht da einfach nur nach Bequemlichkeit. Bestimmte Sachen (typisch: Kinderzimmer aufräumen) sind für die Kids einfach genauso unangenehm wie z.B. Bügeln für uns. Und beides schiebt man einfach mal gerne vor sich her, stimmts?
Doreen mit Elisei
10.01.2008, 14:15
Hallo, also bei "Projekt menschenwürdige Wohnung" musste ich laut lachen. :Roll vor Lachen:Bei uns ist das ganz genau so wie bei Ritschie und Co, außer dass wir nur eine Etage haben und dafür aber 4 Verwüster.
Ich glaube auch nichts, dass wir da völlig falsch liegen erziehungstechnisch und absolut resistent sind sie auch nicht. Wir haben mittlerweile den Familienplaner von jako-o. So weiß jeder was er zu tun hat und ich muß mir nicht mehr merken, wer denn zuletzt...
Und ich finde, dass es einfach Aufgaben gibt bei uns, die die Kinder einfach zu machen haben. Darüber diskutiere ich nicht mit ihnen. Zimmer aufräumen geht mich bei den Großen nichts an, den Kleinen helfe ich noch ein bisschen. Und ich weigere mich die Meerschweinchen auszumisten. Das sind nicht meine. Aber ohne dahinterstehen und immer wieder erinnern geht auch bei uns nichts. Trödel, trödel, trödel...
Aber wenn ich mich recht erinnere ging es meinen Eltern nicht anders mit mir. Ich kannte meine Aufgaben auch sehr genau, habe sie aber auch immer nur erfüllt, wenn ich musste.:roll: Ich denke fast, dass das in den Kindern so drin liegt, dass sie z.B. den Staub auf ihren Regalen nicht sehen und lieber über was drüber steigen, anstatt es wegzuräumen. Ich versuche mich einfach nicht mehr so darüber zu ärgern, es sei denn sie müllen mir das Wohnzimmer zu, erinnere sie immer wieder daran und gut ist.
Kirsten und Noel
10.01.2008, 14:44
Das klingt in der Therorie ja ganz logisch, Kirsten, aber in der Praxis sieht es dann zum Teil doch anders aus.
Natürlich ist das Theorie - ich sagte ja ausdrücklich, es sind meine Gedanken dazu, gespeist aus diverser Lektüre, die zu lesen mir Spass macht, und keine "Anleitung" oder gar "Erziehung".
Ich wollte ja im Gegenteil gerade darauf hinaus, dass ich persönlich bei dieser Geschichte, und bei anderen, von Erziehung sowieso nichts halte, sondern viel mehr von BEziehung.
Das menschenwürdige Wohnprojekt läuft bei uns durchaus auch (und durchaus auch nicht so rund in Bezug auf Herumliegendes oder Zahnpastaflecken *seufz*. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gemeinsam einfach mehr Spass macht, und auch besser klappt. D.h. wir machen ganz viel wirklich zusammen - oder ich bleibe zumindest im selben Zimmer und mache etwas, während die Kinder ihr Zeug aufräumen, und nehme direkt Anteil an ihrer Arbeit. Mit weggehen und dann nachschauen, was gemacht wurde, würde das bei uns auch eher schlecht klappen. Und da hat man ja dann auch wieder diese Kontrolle, sprich die negative Erwartungshaltung ("ich muss doch mal gucken, ob sie das auch wirklich machen, wahrscheinlich ja eher nicht"). Wenn ich schon weggehe, dann muss ich die Aufgabe, um die ich gebeten habe, ja auch wirklich der Verantwortung der Kinder überlassen. Und dann auch akzeptieren, wenn sie nicht aufgeräumt haben (oder nicht so, wie ICH mir das vorgestellt habe). Aber wie auch schon gesagt: meine Kinder sind noch kleiner. Mein 7jähriger räumt aber tatsächlich relativ regelmässig und ohne Ermahnungen allein sein Zimmer auf. Er saugt sogar alleine! (Wenn auch vielleicht nicht so gründlich wie ich).
Klar ist man ab und zu zu bequem für bestimmte Sachen und hat keine Lust - finde ich auch völlig in Ordnung. Trotzdem glaube ich, dass es viel ausmacht, die Kinder ganzheitlich in alle Arbeiten rund ums Haus einzubinden und ihnen mehr zuzutrauen, anstatt immer wieder zu ermahnen. Ich kenne viele Eltern (aus meinem Forum bei www.continuum-concept.de (http://www.continuum-concept.de)), die das auch so machen und genauso gute Erfahrungen damit gemacht haben wie ich...;-)
Nina mit Leonie
10.01.2008, 14:49
Ich denke, es ist eine Mischung aus beidem, warum unsere Kinder Aufgaben erledigen müssen: Erstens sollen sie lernen, ihren eigenen Kram auch selbst zu erledigen (schmutzige Wäsche wegräumen, Kinderzimmer aufräumen), und zweitens die beiden von Kirsten genannten Faktoren: 1.die erzieherische Maßnahme "Wir leben hier zusammen also trägt jeder seinen Teil zum Haushalt" und 2. brauche ich diese Hilfe spätestens ab Sommer 2008 wirklich (dann fange ich wieder an zu arbeiten und habe ein wenig Angst davor, merkt man das? :gruebel:).
Die festen Aufgaben haben sie, weil ich dachte, so können sie es sich leichter merken. Und außerdem habe ich eh immer gern alles schön ordentlich nach Plan...
Ich persönlich habe ein Problem damit, andere Leute darauf hinzuweisen, was sie tun könnten oder sollen, denn eh ich mit dem reden fertig bin, hätte ich die Aufgabe schon selbst erledigt. Das erstreckt sich über mein ganzes Leben: bei der Arbeit ist das so, mit Nico ist es so und bei den Kindern und deren Aufgaben ist es eben nicht anders! Deswegen hängt mir dieses ganze "Aufgaben-erinnern" sowas von zum Hals raus...:motz:
Aber es ist ja schon mal sehr schön, daß ich nicht die Einzige bin! :knuddel:
Petra und Julius
11.01.2008, 08:18
Wenn man nach einer angemessenen Zeit (einer wirklich sehr angemessenen Zeit!) mal nachschaut sind aber nur 50% der Sachen erledigt. Johanna sitzt am Schreibtisch, Luise hockt auf dem Teppich und beide "daddeln rum".
Ritschie, das könnte die Beschreibung meiner beiden sein!
Und dann auch akzeptieren, wenn sie nicht aufgeräumt haben
Genau das geht eben nicht. Ich weigere mich, diese extreme Unordnung zu akzeptieren. Bei Pia ist es manchmal so arg, dass man fast nicht mehr ins Zimmer kann. Wenn ich dann die gebügelte Wäsche in ihren Schrank räumen will und mir erst den Weg freischaufeln muss, dann reicht es einfach!
Unsere Kinder wissen sehr genau, dass sie auch dazu beitragen müssen, damit die Wohnung nicht im Chaos versinkt ("Projekt menschenwürdige Wohnung" ist gut, das werd ich mir merken!). Trotzdem liegen in der Garderobe die Stiefel durcheinander, dreckige Sockenknäuel unter der Couch, die Bastelsachen liegen tagelang am Esstisch und die Schultasche steht mitten im Flur. Wenn ich eine Schere oder Taschenlampe brauche, finde ich keine dort, wo sie sein soll (und wir besitzen von beidem mehrere Stück). Von Bekannten höre ich, dass das leider auch nicht viel besser wird, wenn die Kinder noch älter sind:shock:
Kirsten und Noel
11.01.2008, 09:13
Unsere Kinder wissen sehr genau, dass sie auch dazu beitragen müssen, damit die Wohnung nicht im Chaos versinkt
Hallo Petra,
ja sie WISSEN natürlich, was die Aufgaben sind, Kinder sind ja nicht blöd - das habe ich auch nicht gemeint. Aber oft SPÜREN sie unsere (unbewusste oder bewusste) Einstellung, dass wir gar nicht wirklich darauf vertrauen, dass sie das Vereinbarte erledigen. Und da Kinder von Geburt an soziale Wesen sind und kooperieren wollen, kooperieren sie dann mit dieser Erwartung (sozusagen dem "versteckten Lehrplan").
Ich will ja hier auch keinen belehren:blablabla: oder so, sorry wenn das so rüberkommt *seufz*, nur Ninas Frage danach, wie man Kinder dazu bringt, Aufgaben auch wirklich zu erfüllen, wird eben ganz gut von einigen Pädagogen beantwortet - und in der Praxis bei uns zu Hause klappt das wirklich sehr gut! Kann doch auch nicht schaden, mal wieder neu über manche Dinge nachzudenken, oder? Nur sollte man sich bewusst sein (ich jedenfalls musste das erst lernen): fertige Rezepte gibt es dabei leider einfach nicht. Wenn mir im Leben mit Kindern überhaupt irgendwas klar geworden ist, dann das. Wir können uns immer nur bemühen und überlegen, wie wir mit unseren Kindern im jeweiligen Lebensabschnitt am besten in Beziehung treten können.
Wer mal Lust auf eine etwas andere Sicht auf Kinder als die übliche hat, dazu mal was lesen und es selber ausprobieren will, findet hier eine Fülle von Anregungen:
-Jesper Juul, Das kompetente Kind
-Jesper Juul, Aus Erziehung wird Beziehung
-Thomas Gordon, Die neue Familienkonferenz. Konfliktlösung zwischen Eltern und Kind
-Maria Montessori, Kinder sind anders (einfach ein Klassiker!)
-Lienhard Valentin, Mit Kindern neue Wege gehen
Und ein paar meiner Lieblings-Websites zu dem Thema, die mir schon oft sehr weitergeholfen haben:
www.continuum-concept.de (http://www.continuum-concept.de)
www.rabeneltern.org (http://www.rabeneltern.org)
www.kloetersbriefe.de (http://www.kloetersbriefe.de)
:hallo:
Esther und Linus
11.01.2008, 09:59
Ich seh das so wie Kirsten. (Wenn's auch in der Praxis das eine oder andere Mal anders läuft...) Grundsätzlich fahren wir auch alle vier ganz gut mit dieser Herangehensweise.
Kirsten und Noel
21.01.2008, 13:58
Hallo,
ist zwar jetzt inzwischen völlig "neben" dem Thread-Titel, aber passt halt hier: in diesem Jahr finden wieder einige Vorträge von und mit dem dänischen Familientherapeuten Jesper Juul statt. Diese sind eine sehr gute Einführung in seine Theorien und wirklich hörenswert, war selbst mal bei einem.
Also wen's interessiert und in der Nähe wohnt: die Vorträge finden statt
23. 1. 2008: Montessori-Schule Niederseeon/Moosach
24.2. 2008: Literaturhaus München, Salvatorplatz
Genauere Infos findet Ihr unter www.familylab.de (http://www.familylab.de)!
hallo,
hätte auch noch einen kleinen buchtipp für die buben-mamas:
kleine helden in not
von dieter schnack und rainer neutzling - rororo
fand ich ganz interessant.
viele grüße
Henning mit Jan
30.01.2008, 17:24
Hallo Heli,
das BUch ist vor allem auch für die Buben-Papas eines von der sehr interessanten Sorte.
Wenn das Interesse beim Papa erwacht ist, gibt es von den beiden Autoren dann auch noch "Prinzenrolle", ist ein wenig dicker und geht etwas mehr ins Detail.
Könnte für die Mama natürlich auch interessant sein - nach dem Mott "dein Mann, das unbekannte Wesen" oder so...
Viel Spaß beim Lesen wünscht
Henning
stimmt! wollte die männer gar nicht ausschließen :Sorry: - allerdings könnt
ihr euch vielleicht leichter in euren männl. nachwuchs reinfühlen als wir mamas und habt so eine lektüre gar nicht nötig? :gruebel: nichtsdestotrotz, das buch dürfen beide geschlechter lesen :Zwinker:.
heli
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