Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fehlbildungs-Statistik
Gabi und Tobias
23.10.2007, 00:04
Beim Googeln fand ich folgende Statistiken zu Fehlbildungen
(bei Neugeborenen) in Sachsen-Anhalt:
Jahresbericht2004 (http://www.forschung-sachsen-anhalt.de/publikationen/volltext/2005/119891.pdf) (hier Kap. 12.14 und 12.15)
Jahresbericht2005 (http://www.forschung-sachsen-anhalt.de/publikationen/volltext/2006/22135313.pdf) (hier Kap. 12.14 und 12.15 sowie insbesondere Kap. 16!)
Nicht uninteressant. Gibt es sowas auch für andere Bundesländer?
Doreen mit Elisei
23.10.2007, 10:47
Habt ihr mal geschaut, wieviel Kinder wegen ihrer Fehlbildungen oder genetischen veränderungen abgetrieben wurden? Beim Down Syndrom sind es alle, die pränatal diagnostiziert wurden. Ich habe es ja schon gewußt, aber so schwarz auf weiß bin ich ganz schön geschockt.
Auch bei allen anderen Diagnosen wird durch die Bank weg abgetrieben.
Pränataldiagnostik ist anscheinend nur fürs Aussortieren gut.
Doreen,
also ich kann mich da nur anschliessen. Ich fand es auch furchtbar das zu lesen, das 2 von diesen Spaltkindern bewusst abgetrieben wurden. Mensch meine Maus ist so eine tolle Maus, genauso wie der Rest der Maeuse hier im Forum, und ich kann mir es wirklich nicht vorstellen sie nicht zu haben.
Einerseits finde ich Frueherkennung ja wirklich gut, denn man kann, wie in unserem Fall, sich sehr viel ueber die Fehlbildung informieren und schlau machen. Jedoch finde ich es super super uebel das wir im Mutterleib wie faule Aepfel schon aussortiert werden.
LG
Christine
Kathrin mit Luca
23.10.2007, 15:43
Da kann ich nur voll und ganz zustimmen !!
@ ecflynn: du hast da übrigens ein total süßes Foto von deinen zwei Mäusen !!
Dani & Corvin
23.10.2007, 15:49
Wow, ich finde die Zahlen der SS-Abrüche auch erschreckend! Kaum zu glauben, vielleicht sollte man die Zahlen dieser Studie dazu benutzen mehr Aufklärung zu betreiben! Handlungsbedarf scheint ja mehr als genug zu bestehen!
Ich finde auch das in der heutigen Zeit mit den medizinischen Massnahmen eine LKGS wirklich eine Kleinigkeit ist und die Kinder vollkommen normal aufwachsen. Man merkt aber auch immer wieder das spezielle auf diesen Bereich noch wahnsinnig viel Aufklaerungsarbeit geleistet werden muss.
@ Kathrin, Dankeschoen, das sind meine zwei Schnecken in Ihrem Halloween/Faschingsoutfit das gestern gekommen ist. Putzig, ne!!!
LG
Christine
Esther und Linus
23.10.2007, 16:12
Oh wow. Ich hab neulich 92 % Abbruch-Rate bei bei Down-Syndrom gelesen und das hat mich schon umgehauen. Da wißt Ihr ja jetzt, weshalb ich so meine Vorbehalte habe, wenn an genetischen Ursachen für was-auch immer geforscht wird...
Liebe Grüße
@ Esther, ich wundere mich auch schon immer staendig darueber warum man immer weniger Kinder mit Downsyndrome oder einer anderen Behinderung sieht, aber wie Du schon geschrieben hast, ist da die Prozentzahl der Abtreibungen wirklich extrem hoch.
Ich denke das die Menschheit aber frueher oder spaeter fuer sowas ordentlich bezahlen wird.
LG
Christine
Esther und Linus
23.10.2007, 16:18
Liebe Christine, das befürchte ich auch. Man kann wirklich nur versuchen, seinen gesunden Menschenverstand nicht auszuschalten.
Liebe Grüße
Isa mit Giuliana
25.10.2007, 17:51
Ich könnte aus den Latschen kippen, wenn ich nicht sitzen würde!
Aber: man hat uns auch angeboten, dass wir abtreiben könnten, wenn wir wöllten.....ich war damals in der 25 SSW und mein Kind hatte bereits ein Geschlecht, einen Namen und eine dicke Nabelschnur zu mir!
Ich habe dem Arzt gesagt, dass es für mich, egal welche Art von Fehlbildung vorhanden sei, niemals in Frage kommen würde und wenn es meinem Mann nicht passe, dann könne er ja gehen....hart aber ehrlich.
Katja mit Celine
04.11.2007, 20:56
Mein Gott................
da Fehlen mir echt die Worte zu :(
Ich weiß wieso ich in der SS alle Test´s die auf evtl. Behinderungen hindeuten könnten Abgelehnt hab.
Es sollte so kommen wie es ist und fertig.
Wenn ich mir vorstell wie viele Fehldiagnostiken evtl. bei diesen Abtreibungen zudem noch dabei sind. :(
LG Katja
Doreen mit Elisei
04.11.2007, 22:05
Die Dänen haben sich letztens offiziell in einem Gesundheitsbericht gerühmt, dass sie dank Pränataldiagnostik die Zahl der Kinder mit Down Syndrom halbieren konnten. Das klingt so harmlos, aber ich krieg da jedes mal, auch bei der sachsenanhalter Statistik einen Knoten im Magen.
Caroline und Leon
06.11.2007, 21:48
Muss auch mal meinen senf dazu abgeben.
Mich hat es geschockt, dass so viele Mütter ihre Kinder einfach abtreiben, nur weil ein PC oder irgendeine Maschine etwas vorraus sagt, was an ihnen nicht "normal" ist. was soll denn das, so eine maschiene und auch ärzte können sich irren.
Es gibt auch hier im forum einige Leute die dem zustimmen können. Ihnen wurde wer weiß was an syndromen und fehlbildungen für ihre kinder vorraus gesagt, wahrscheinlich sogar eine Lebenschance gleich null.
Diese Leute haben nicht abgetrieben, und haben jetzt supersüße Kinder die "nur" eine Spalte und nix weiter haben. Oder Kinder die leben, denen es gut geht, obwohl sie von den ärzten totgesagt waren.
was soll denn sowas.
nichts und niemand ist perfekt, und wer hat bitte schon das recht über leben und tod zu bestimmen????
was abtreiben angeht, da hab ich eine felsenfeste meinung
hab mal von meiner schwester ein buch gelesen(die ist heilpädagogin und musste das mal in der schule lesen), weiß leider den autor nicht mehr (shit) frage sie noch mal.
"Lebensunwertes Leben" dieser begriff fiel andauernd. also so ein krankes buch, sowas beklopptes hat die welt noch nicht gehört.
Ich glaube keiner hier würde das leben seines kindes als lebensunwert bezeichnen, egal was es hat.
Michaela mit Kevin
06.11.2007, 22:35
Mir wurde gerde ganz schlecht als ich die ergebnisse las!
Ich würde kevin um kein geld der welt hergeben oder tauschen wollen auch wenn es keine leichte zeit war und selbst wenn wir bei einem zweiten die selbe diagnose bekommen würden würd ich es behalten!!
Wer kann darüber bestimmen? Früher gab es solche möglichkeiten der untersuchung nicht und die kinder wurden an genommen. Nun finde ich macht man es sich sehr einfach damit. wenn man es nicht will weil es "anders" ist geh ich mal schnell ins KH und werfe es einfach weg. unverständlich für mich!!
Hallo,
also ich finde es auch erschreckend, wenn man das alles schwarz auf weiß liest, muss aber dazu sagen, wenn ich lese was es alles gibt, mir auch ganz Angst und Bange wird. Meine Kleene ist ja noch nicht da und ich weiß noch nicht was auf uns zu kommt. Auch ich bin bei der Diagnose ordentlich ins Straucheln gekommen und in alle Richtungen :Sorry: gedacht.
Das ihr eure Mäuse nicht missen wollt, ist doch klar,:) aber ich denke nicht, dass die Frauen sich die Entscheidung so leicht gemacht haben. Wir wissen doch gar nicht um deren Umstände etc.
Was ich auch ganz schön heftig im Text finde ist, dass durch die guten kosmetischen Ergebnisse, die heutzutage erzielt werden, die Nachkommenschaft auch bei Spaltkindern häufiger ist. Irgendwie gibt mir das ein Stich ins Herz....tut mir weh, als ob unsere Kinder weniger Chancen bei der Partnersuche haben und weniger liebenswert wären...
LG Leni
Katja mit Celine
07.11.2007, 22:23
@Michaela, ich würd bei einem weiterem Kind mit Diagnose LKGS erst recht das Kind bekommen.
Da ich nun weiß das ich keinerlei Angst davor haben muß und weiß was kommt.
Ich denk genau dieses Unwissen ist der Grund warum LKGS Kinder Abgetrieben werden, anders kann ich es mir nicht erklähren.
@Caroline, unsere Kinderärztin hat mir von GENAU so einem Fall erzählt.
Die Eltern bekamen eine Diagnose über das Kind 100 pro sicher das das Baby nicht Lebensfähig währe und sofort bei der Geburt Sterben würde.
Die Eltern entschieden sich aus Religiösen Gründen gegen eine Abtreibung und Trugen das Kind aus.
Heute is das Kind kern Gesund....
Meine KiÄ hatte sich irgendwann mal in meinem Blog über Celine eingelesen und konnt es auch ned fassen das LKGS ein Indikationsgrund ist.
LG Katja
Caroline und Leon
08.11.2007, 10:13
@ Leni
Du sagtest man sollte doch auch mal an die Umstände denken von denen die Ihre Kinder abgetrieben haben.
Möchte dazu jetzt mal ganz ehrlich meine meinung sagen, ohne dass ich jemanden verurteilen will.
Denke, wenn man ein Kind haben möchte, dann entscheidet man sich für ein Kind, egal wie es bei einem "ankommt" oder nicht.
Und zu sagen, ja es war ein Unfall (gut und schön, kann passieren, war Leon auch), aber wegen der eigenen Dummheit ein Kind töten??? Neeee, das könnte ich niemals.
Viele sagen dann, ja wegen Geld, oder was auch immer. Aber es gibt so viele Möglichkeiten heutzutage. Finanzielle unterstützung, Hilfen, auch Frauenhäuser.
Ich muss ehrlich sagen, bevor diese Leute ein Kind abtreiben, egal ob es gesund ist oder nicht, sollten sie es lieber zur adoption frei geben. es gibt so viele paare in deutschland, die sich sehnlichst kinder wünschen, aber keine bekommen können. Auch adoptivkinder können sehr glückliche kinder sein.
Und wenn man dann immer liest, hier ein baby totgeprügelt, da ein kind verhungert. dort ein kind aus dem fenster geworfen, dann wird mir ganz schlecht.
Wo sind wir hier, was soll das????
Solchen Menschen würde ich am liebsten sagen, dann gebt eure Kinder lieber ab, aber quält und tötet sie nicht.
Bald kommt es hier so weit, dass man sich Hautfarbe, Haarfarbe, augenfarbe, größe Gewicht und allses ander vorher aussuchen kann, dann wird in einem reagenzglas was zusammengebraut und da ist das "perfekte" kind.
Sorry musste das mal los werden.
Soll nicht gegen irgendjemand hier gehen, soll nur ein denkanstoß sein.
Bitte nicht falsch verstehen.
Hab wirklich für vieles verständniss, aber für Mord nicht und schonmal lange nicht Mord an wehrlosen kindern.
Tschuldigung Caroline,
aber ich muss hier auch mal was loswerden. Ich bin gegen Abtreibung, dass das mal klar ist, aber ich maße mir keine generelle Verdammung von Frauen an, die es doch tun.
Was ist zum Beispiel mit den Frauen, die durch eine Vergewaltigung schwanger geworden sind? Ich weiß nicht, ob ich ein Kind austragen könnte, welches durch ein Verbrechen entstanden ist - da bin ich ganz ehrlich.
Ich finde es auch höllisch schwer, ein Urteil abzugeben, da ich noch nie vor dieser Frage stand. Eine meiner Freundinnen ist genau das passiert und sie wollte meinen Rat - den ich ihr aber nicht geben konnte und, vor allem, wollte. Nun gut, sie hat ihr Kind dann schließlich bekommen und alles "Friede, Freude, Eierkuchen"...
Und wenn man dann immer liest, hier ein baby totgeprügelt, da ein kind verhungert. dort ein kind aus dem fenster geworfen, dann wird mir ganz schlecht.
Da stimme ich Dir voll und ganz zu - das kann auch ich nicht nachvollziehen. Wenn man mit den Umständen überfordert ist, dann lieber zur Adoption freigeben o.ä.
Sorry, das musste ich jetzt mal loswerden!
LG Tina:blume:
Caroline und Leon
08.11.2007, 12:41
@ Tina
das war ja das was ich meinte mit falsch verstehen.
Ich verurteile niemanden, es war schlicht und einfach meine meinung, jeder muss das mit sich selbst und seinem gewissen vereinbaren, jeder muss so etwas für sich allein entscheiden. oder nicht. Ich weiß nur ich könnte es nicht.
Das was du beschreibts mit der vergewaltigung, war für mich außen vor, das ist eine ganz andere situation ich habe schlichtweg das thema gemeint, abtreiben wegen einer fehlbildung,weil einem das kind so wie es ist nicht in den kram passt oder einfach wegmachen lassen weil es grad nicht passt ( weil die eltern beispielsweise zum verhüten zu dusselig waren).
Okay okay, auch wenn das betimmt wieder einige in den falschen hals kriegen, ich denke mal also man muss auch überlegen, was kann das kind dafür das es durch eine vergewaltigung entstanden ist ( das wird sich sicher auch deine freundin gedacht haben).
Aber in diesem Fall ist es nicht so dass man einfach ein "übel" ( ich bezeichne hier die Fehlbildungen / behinderungen jeglicher Art mal so, denn für manche ist es das ja auch wenn es das für mich ganz und gar nicht ist) beseitigen will oder seinen eigenen Fehler vertuschen will ( z.B. keine Verhütung oder Fremdgehen), es hat ganz andere Hintergründe. Verstehst du wie ich das meine. Es ist immer so verdammt schwer für mich es verständlich zu schreiben was ich eigentlich meine, meißtens wird es falsch verstanden. Das will ich nicht.
will auch weiß gott niemanden hier angreifen, verurteilen oder wie du sagtest verdammen.
hoffe das kommt nicht falsch rüber und ich konnte das jetzt klarstellen. vielleicht hab ich mich auch nur falsch ausgedrückt, oder was weiß ich. SORRY
wollte eigentlich nur sagen das ich es absolut SCH.... finde dass Kinder sterben müssen oder umgebracht werden, weil sie "anders" sind oder weil die Eltern schlichtweg zu doof waren zu verhüten.
Hi Caroline,
ich wollte Dich natürlich nicht angreifen, obwohl ich zugeben muss, dass ich beim ersten Lesen Deines Textes fast in die Tischkante gebissen hätte...es kam bei mir halt rüber, wie eine Generalverdammung (mir fällt jetzt kein anderer Begriff ein). Aber ich weiß ja um die Schwierigkeit des geschriebenen Wortes!
Zum Thema Vergewaltigung muss ich aber noch mal Deinen Satz aufgreifen, von wegen "was kann das Kind dafür". Dann frage ich - was kann die Frau dafür? Sie hat sich auch nicht ausgesucht, Opfer zu werden und ich kann da schon verstehen, dass so eine Frau nicht 9 Monate lang an diesen schrecklichen Moment erinnert werden möchte.
Die seelische Verarbeitung einer solchen Tat ist schon, ohne schwanger zu werden, furchtbar - wie muss es dann sein, wenn wirklich ein Kind daraus entstanden ist???
Aber wie Du schon sagst, das ist völlig OT und hat nichts mit dem Ursprungsthema zu tun. Auch ich finde eine Abtreibung wegen einer möglichen Fehlbildung mehr als schlimm, denn dann gäb es mich ja auch nicht...
LG Tina:blume:
Kathrin mit Luca
08.11.2007, 13:40
Also bei einer Schwangerschaft, die aus einer Vergewaltigung entstanden ist kann ich es voll und ganz nachvollziehen.
Jedoch kann ich den Spruch: "Ich habe keine Kraft ein behindertes Kind groß zu ziehen", nicht hören.
Meiner Meinung nach ist das eine doofe Ausrede. Dann sollen die doch gleich sagen: "Ich habe keine Lust , mein Leben für ein behindertes Kind aufzugeben."
Hallo, zum Thema Abtreibung wegen einer Behinderung muss ich jetzt auch was erzählen.
Als ich beim Feinultraschall erfahren habe das mein Baby eine Spalte hat, war das eigentlich nicht schlimm. Der Arzt hat uns aber empfohlen mit einer Fruchtwasseruntersuchung eine Trisomie 13 und 18 auszuschließen, bei der auch eine Spalte vorkommt. Meine spontane Reaktion war: Nein, keine Fruchtwasseruntersuchung, weil ich davor Angst hatte und eine Abtreibung kommt sowieso nicht in Frage. Der Arzt hat mir noch Infomaterial gegeben mir Fragen beantwortet und gemeint ich solle es mir in Ruhe überlegen.
Und dann ist in den nächsten 2 Tagen ganz viel passiert innerlich. Wie gesagt eine Abtreibung kommt für mich gefühlsmäßig überhaupt nich in Frage. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon 2 Kinder und obwohl uns diese Schwangerschaft sehr überrascht hat, habe ich mich sehr auf das Kind gefreut- egal wie es sein würde.
Dann haben wir uns über Trisomie 13 und 18 informiert und da war für mich und meinen Mann ganz schnell klar das wir Gewißheit brauchen. Ich gehe jetzt nicht näher auf diese Gendefekte ein (Wikipedia hilft) nur soviel: die Kinder haben eine sehr geringe Überlebenschance oder leben einige Zeit, teilweise 3-6 Jahre schwerst behindert.
Ich für mich alleine und mit meinem Mann hätte das Kind mit einer solchen Diagnose wohl bekommen. Der nächste Gedanke waren unsere anderen Beiden und da war klar das wir für die mitentscheiden und das es da nicht darum geht das die Schwester anders ist und aussieht, sondern das die Mama eventuell rund um die Uhr mit der Pflege des Kindes beschäftigt ist.
Plötzlich hat sich in mir alles umgedreht und das eigentlich nicht vorstellbare rückte näher. Wir sind dann zur Fruchtwasseruntersuchung und bekamen nach 1 Tag Entwarnung, aber ich habe die ganze Zeit immer nur gedacht: was auch immer ich entscheiden muß, ich kann es nicht, ich will dieses Kind nicht hergeben.
Mein Fazit aus diesen 3 Tagen ist, das man oft erst in einer Situation weiß wie man handeln kann. Alles andere ist eine Annahme. So das ich immer sage, ich weiß nicht wie ich in einer solchen Situation reagieren und handeln würde, ich kann es nur annehmen.
Aber eine LKGS wäre für uns auch nie und nimmer ein Abtreibungsgrund gewesen. Und so froh ich war vor der Geburt von der Spalte zu wissen, dank Frühdiagnostik, so erschreckend finde ich die steigenden Abtreibungszahlen z. B. bei Down Syndrom.
Ich hoffe niemand hier in diesem Forum und meiner näheren Umgebung kommt in diese Situation solch eine Entscheidung treffen zu müssen.
Henning mit Jan
21.01.2008, 22:43
Hallo Nicola,
wir haben den einen Schall, und eben auch nur den Schall, denn da sieht mensch mehr oder weniger was Sache ist, eigentlich nur gemacht, damit wir uns auf eventuelle Überraschungen vorbereiten können, und das hat sich dann auch gelohnt, da Jans Spalte zu erkennen war.
Was ich an der ganzen restlichen Pränataldiagnostik für die Eltern richtig schlimm finde, ist dass sogenannte Experten Leuten erst mal erzählen, was es alles Schlimmes gibt (denn das müssen sie ja, falls was davon dann zutrifft) und dann noch obskure Prozentzahlen die grob geschätzt sind vom Stapel lassen.
Da ist dann die Frage, was jemand denn damit anfangen soll. Eine fundierte Entscheidung auf der Basis von "mit x% Wahrscheinlichkeit könnte da was sein" treffen? Für eine Entscheidung brauche ich Fakten.
Die "Entscheidung" muss meines Erachtens viel früher schon getroffen: gehe ich hin oder nicht, um zu vielleicht zu wissen, was mich bei Geburt erwartet.
Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie Menschen noch ruhig schlafen können, nachdem sie aufgrund einer x-Wahrscheinlichkeit einer y-Behinderung beschlossen haben ihr Kind abutreiben - ich glaube, sie können es auch nicht wirklich.
Ich find das echt so krass, dass mir als Vergleich nur einfällt, dass Leute ja auch Kinder bekommen, obwohl es Wahrscheinlichkeiten für eine Querschnittslähmung, Krebs oder sonst was im Kindesalter gibt.
Ich finde es pervers, eine Entscheidung über Leben oder Tod auf Basis einer (in diesen Fällen oft auch nicht einmal allzu hohen und auch nicht gesicherten) Wahrscheinlichkeit zu fällen. Es ist ja schon anmaßend, überhaupt über Leben oder Tod entscheiden zu wollen.
Ich möchte hiermit nicht Eltern angreifen, die zur Pränataldiagnostik gehen, sondern Mediziner und Krankenkassen, die das ganze Zeug fördern und finanzieren und sich dabei auch noch wohltätig und fürsorglich vorkommen.
Liebe Grüße und die richtigen Entscheidungen,
Henning
Hallo Henning,
ich finde, Du schilderst die Pränataldiagnostik etwas zu schwarz.
Bei uns hat diese Diagnostik z.B das Leben von Julian gerettet, da die Kardiologen wussten, was kommt und schon bei der Geburt entsprechende Ärzte vor Ort waren und wir eben auch gleich in die Klinik mit dem entsprechenden Herzzentrum gegangen sind. Alles andere wäre eben fatal gewesen...
Auch muß ich sagen, daß unser Arzt, der das Organscreening durchgeführt hat, uns sehr bestimmt von einer FU abgeraten hatte, da seiner Ansicht nach das Risiko einer Fehlgeburt druch die FU ausgelöst höher sei, als daß wirklich eine Trisomoie 13 oder 18 dahinter stecken würde.
Ich empfand diese ganzen Gespräche sehr menschlich und bin immer noch sehr froh, daß die Spalte und der Herzfehler frühzeitig bekannt waren..
Klar, man macht sich Gedanken, wenn man diese Diagnosen um die Ohren gehauen bekommt, aber es kann halt auch durchaus poitiv für das Kind sein, wenn man weiß, was kommt..
Liebe Grüße,
Chris mit Julian
Doreen mit Elisei
22.01.2008, 10:52
Hallo Chris, dann kann ich dir nur gratulieren zu deinem Arzt. Die gibt es nicht so häufig.
Und Henning hat schon nicht unrecht mit seinen Ausführungen. Ganz viele Ärzte gucken speziell nach bestimmten sog. Softmarkern und wenn sie was finden drängen sie auf die FU, ohne den Frauen mal gesagt zu haben, was sie dann evtl. entscheiden müssen, wenn das Ergebnis da ist.
Und dann drängen sie weiter. Nicht immer so offentsichtlich, aber unterschwellig ist die Beratung oft nicht neutral. Siehe der Beitrag letztens auf der ARD "Die Entscheidung". Da hat die eine Ärztin sowas von einen Schwachsinn über die behniderung des Kindes erzählt. Das gibts bald gar nicht. "Sie wissen ja wie diese Kinder aussehen." Was ist das denn für ne Aussage?
Ich weiß, dass es nicht immer leicht ist mit einem behinderten Kind zu leben, aber muß man sie deswegen schon vor der Geburt töten? Auf der anderen Seite wird jedes Frühchen, egal wie jung und leicht versucht am Leben zu erhalten (was ich auch z.T. nicht falsch finde). Die haben dann am Ende oft die viel gravierenderen Behinderungen. Das finde ich total shizophren. Und außerdem entstehen die allermeisten Behinderungen erst nach der Geburt durch Krankeheiten oder Unfälle. Diese Menschen werden doch dann auch nicht umgebracht, sondern gepflegt und gefördert wo es nur geht.
Also bis zu einem gewissen Punkt finde ich Pränataldiagnostik auch in Ordnung, aber wenn sie dazu führt schon vorgeburtlich die Kinder auszusortieren, finde ich das schlimm.
Kathrin mit Luca
22.01.2008, 11:47
Genau, dieses suchen nach etwas unnormalem, das finde ich einfach nur furchtbar. Bei dem U-Schall wo auch die Spalte von Luca festgestellt wurde, sah man außerdem ein sogen. "Golfballsyndrom" am Herzen, auch "White- Spots" genannt. Erst wurde nichts dazu gesagt, aber als feststand, dass ich keine FU möchte, wurde schnell noch gesagt, dass dieses Syndrom häufig Kinder mit DS hätten. So nach dem Motto "aber jetzt wollen sie doch eine FU". Habe aber trotzdem keine machen lassen. Diese "White Spots" sind übrigens verschwunden...
Caroline und Leon
28.01.2008, 09:47
Ja es ist traurig, das es menschen gibt, die die kraft haben "auszusortieren" :nixweiss:
Ich krieg es in meinen Kopf nicht rein, wer uns menschen, die wir doch eigentlich ein kleines nichts auf dieser welt sind, wenn man betrachtet das es viel mächtigeres gibt (Naturgewalten etc. gegen das alles wir nichts ausrichten können), das recht gibt über leben und tot zu entscheiden.
wir haben darüber mal diskutiert auf einer feier, da hat ein etwas älterer mann zu mir gesagt.
"Früher hieß es gott schenkt leben und er nimmt es auch wieder wenn er meint die zeit ist gekommen.
Aber heute stellen sich die menschen über gott."
Obwohl ich nicht so absolut gläubig bin, hat mir dieser satz sehr sehr zu denken gegeben.
Isa mit Giuliana
30.01.2008, 21:52
Ist es nicht so, dass die Feststellung einer Behinderung oder Fehlbildung auch eine späte Abtreibung erlaubt und begründet?
Also, ich finde das schon recht krass. Ich habe erfahren, dass Giulia mit LKGS links geboren wird in der 25. SSW. Man hat mich darauf hingewiesen, dass ich abtreiben könne.
Eine Station weiter kämpfen die gleichen Ärzte, die dann evt. die Abtreibung in der 26 SSW hätten machen können, um das Leben eines Frühchens aus der 24 SSW.
Wo ist und bleibt denn da die Logik, die Moral, das Gleiche Recht für alle?
Ich hab mal von einem Fall gehört, da hat man das Kind aus der 26. SSW abgetrieben. Die Ärzte legen das Kind dann zur Seite und warten darauf, dass sie sterben ohne sie medizinisch erstzuversorgen. Ein Kind wollte aber nicht so wie sie und überlebte trotzdem. Das Kind wurde erst nach 24 Std erstversorgt und gefüttert. Folge: Kind hat schwerste Schäden davongetragen und wird ein Lebenlang behindert sein (was ja nicht hätte sein müssen). Die Ärzte wurden verklagt, weil sie der Mutter nicht mitteilten, dass das Kind auch überleben könnte....
Vielleicht hab ich das auch hier irgendwo gelesen, aber so oder so, finde ich das der Mensch kein Recht hat über Tod und Leben zu entscheiden. Und für einen Arzt ist es doch eigentlich Pflicht, leben zu retten.
Kathrin mit Luca
30.01.2008, 22:20
Ja, da ging es um ein Kind mit Down- Syndrom !!! Ganz ganz furchtbar !!!!
In "Ausnahmefällen" ist eine Abtreibung noch in der 32. SSW erlaubt.
Doreen mit Elisei
30.01.2008, 22:59
Hier der Link dazu:
http://www.tim-lebt.de/
Henning mit Jan
31.01.2008, 12:05
Danke für den Link.
Ich bin erschüttert, das ist ja einfach nur krass!
Wie müssen sich Eltern fühlen, die jemanden verklagen, weil die Ermordung ihres Kindes nicht geklappt hat?
Fühlen die überhaupt noch was???
Mir ist ganz unwohl bei dem Gedanken, dass so Leute dann vielleicht irgendwann auch noch ein Kind bekommen, das sie überleben lassen. Wie gehen sie denn mit diesem Kind um, wenn es vielleicht erst nach der Geburt was bekommt oder was bei einem der tollen Tests übersehen wurde (abgesehen von der Klage gegen den Tester)?
Da könnte man ja echt so richtig schlecht drauf kommen!
Doreen mit Elisei
31.01.2008, 12:40
Henning, die echte Mama von Tim wird keine Kinder mehr bekommen können. Sie hat sich das Leben genommen.
Henning mit Jan
31.01.2008, 12:52
Liebe Doreen,
danke für die Info.
Das ist auch eine Antwort auf meine Fragen.
Habe eben von einer Freundin erfahren, dass es einen Film über Tim gibt.
Liebe Grüße,
Henning
Doreen mit Elisei
31.01.2008, 18:09
Ja und diverse Talkshow-Auftritte der Pflegeeltern.
Ich kenne die Eltern aus der Down-Syndrom-Liste. Das ist ein Email-Verteiler für Eltern mit Kindern mit DS mit z.Z. ca. 700 Eltern. Da wir ja selbst so ein Herzchen haben, kenne ich die Geschichte natürlich.
Ohne diese Abtreibung wäre Tim ein körperlich gesundes Down-Kind geworden. Aber ich hege keinerlei Groll gegen seine Mama. Unsere Gesetzgebung ist zum großen Teil auch mit Schuld an ihrem Dilemma. Und Ärzte, die selber keinen festen Standpunkt zum Thema Pränataldiagnostik und der Frage was passiert, wenn was gefunden wird, haben.
Den Film über Tim habe ich irgendwo hier rumliegen "Er sollte sterben, aber Tim Lebt" heißt er glaube ich. Wenn ich ihn finde und du Interesse hast, kann ich ihn dir brennen.
Esther und Linus
31.01.2008, 19:18
Ich kenn den Film, aber Henning, kopierst Du ihn mir dann? Sowas braucht man im Archiv...
:knuddel:
Esther und Linus
31.01.2008, 20:52
Es gibt übrigens auch eine Internetseite über Tim:
www.tim-lebt.de
Viele Grüße
Hallo Doreen!
Ich teile Deine Einstellung, das letzten Endes viele werdende Mütter und Väter vor unglaubliche Entscheidungen gestellt werden und die Betreuung und Beratung durch Ärzte technisch gut und richtig, aber menschlich unzureichend bis unbeholfen ist.
Mich haben die eben gelesenen Berichte über Tim schockiert.
Wo soll das alles hinführen? Das ist doch alles schizophren! Mütter die immer älter ihre Kinder bekommen können, was ja bekannter Maßen mit einer erhöhten Warscheinlichkeit eines Gendefekts verbunden ist und auf der anderen Seite immer mehr Abtreibungen wegen Fehlbildungen und Gendefekten.
Das schlimme ist das wir Menschen unsere Widersprüchlichen Entwicklungen und Handlungen kaum bemerken.
Doreen mit Elisei
02.03.2008, 14:40
Da fällt mir doch gleich wieder ein, dass ich den Film mal raussuchen und b... wollte.:embarras: Mach ich heute abend gleich.
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