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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Das Forum als "Depressionsgrund"?


Katja
14.12.2005, 17:50
Hallo Ihr!

In den letzten Wochen habe ich mehr mitgelesen als selbst geschrieben, da ich momentan einfach nicht viel "zum Thema" sagen kann.

Dabei fiel mir auf, dass einige Selbstbetroffene durch dieses Forum "belastet" wurden, wenn ich das mal so ausdrücken darf.

Ich kann das gewissermaßen nachvollziehen, wobei ich selber nicht so empfinde. Nun überlege ich, was die Ursache dafür sein kann. Bzw., ob es an Erziehung, Umfeld etc. liegt, wie man von klein auf mit dem Thema konfrontiert wurde? Sind nur jene Menschen, welche eine nicht ganz leichte Kindheit durchmachten, von diesen unguten Gefühlen beschlichen? Oder ist es typabhängig?

Vielleicht finden wir ja eine Tendenz heraus. Und können den betroffenen Eltern hier Tips geben, damit ihre Kinder es später - als Erwachsene - "leichter" haben?

Mich würden Eure Meinungen dazu interessieren!

Liebe Grüße
Katja

Anonymous
14.12.2005, 18:38
Hallo Katja,

vielleicht ist es ein wenig von allem etwas.

Wir dürfen nicht vergessen, dass "unsere" Generation bzw. unsere Eltern kaum bis keine Möglichkeiten eines Austausches hatten, wie wir sie heute beispielsweise in diesem Forum erleben. Auch wird in Sachen Selbsthilfe sehr viel mehr gemacht als vor 15, 20 Jahren. Und damit ergibt sich einen gewissen indirekten Einfluss auf die Erziehung der Kinder, im positiven Sinne. Den hatten die meisten von uns jedenfalls mit Sicherheit nicht. Sicherlich hängt es auch jedem individuell ab.

Ich kann es aber sehr sehr gut nachvollziehen, dass die Selbstbetroffenden entweder sehr bald oder mit der Zeit Schwierigkeiten bekommen, sich damit zu konfrontieren. Das ist auch nichts schlimmes, was man verurteilen sollte und es sollte auch keiner dazu gedrängt werden.

Man stelle sich einen jungen Selbstbetroffenen vor, der hin und wieder über seine Spalte nachdenkt und aus Langeweile mal googelt, was es zu diesem Thema im Internet überhaupt gibt, ich denke auf diese Art und Weise ist nahezu jede(r) Selbstbetroffene hier hineingekommen. Je mehr man Beiträge hier zumindest anliest, desot größer wird das Interesse, man kann sich mit vielen Sachen indentifizieren. Das, was hier an Material zu finden ist, ist nicht unerheblich und derjenige ist einer grossen Informationsblase ausgesetzt ..... bis er schlussendlich mehrere Stunden am Tag hier im Forum verbringt, nicht weil er noch mehr Informationen will, sondern weil er die Informationen sich immer wieder holen muss ..... und irgendwann kommt man dahin, dass man diese Vielzahl an Informationen nicht mehr verarbeiten kann, dieses Thema spukt einem dem ganzen Tag im Kopf herum. Weil man sich damit identifizieren kann, ist man unter Umständen damit beschäftigt, seine Vergangenheit darauf zu beziehen .... und dann muss man in Geschichten kramen, die man möglicherweise längs verdrängt hat .... und dann ist es klar, dass sich irgendwann die Psyche meldet.

Deshalb ist dieses Forum möglicherweise bedenklich für jemanden, der eher labil ist und von der Psyche her nicht in der Lage ist, die Sachverhalte hier einzuordnen.

Ich für meinen Teil hatte es leichter als andere, denn ich hatte mich angemeldet, als ich mittendrin in meinen letzten Korrektureingriffen war und deshalb habe ich mich schon längere Zeit mit der Spalte auseinandergesetzt und habe grundsätzlich keine Probleme mit dem ganzen Themenkomplex LKGS. Aber nichts desto trotz: Es gibt auch Beiträge von Selbstbetroffenen, die auch heute noch einen kalten Schauer über meinen Rücken auslösen. Aber es gab auch bei mir mal Zeiten, in denen ich auch nicht in der Lage gewesen wäre, dass ganze Geschehen über einen längeren Zeitraum zu folgen.

Ich bin aus anderen Gründen aus dem Forum ausgestiegen, dennoch kann ich sagen, dass sich durch längere Abstinenz schon eine gewisse Distanz zum Thema schaffen läßt, die wohltuend ist. Da ich aber auch andere gesundheitliche Probleme zu bewältigen habe, habe ich eigentlich für dieses Thema sowieso gar keinen Platz mehr und bin daher froh, dass ich mit der letzten OP einen (zumindest indirekten) Schlussstrich ziehen kann.

lg,
Ron

Mathias
14.12.2005, 20:10
Hallo !
Ich kann Ronaldo nur zustimmen, wir, die etwas "ältere Generation" sowie unsere Eltern hatten diese Möglichkeit dieser intensiven Informationsquellen nicht. Soweit ich weiß, gibt es die WRG auch erst seit 1980 - meine letzte Gaumen-OP lag da schon vier Jahre zurück. Ich hatte "Glück", ich hatte "nur" eine Gaumenspalte. Die OP ´76 war auch meine letzte. Einerseits war das gut - andrerrseits hat man sich dann mit dem Thema Gaumenspalte und vor allem was bei mir individuell damit zusammenhängt garnicht mehr beschäftigt, was ein Fehler war. Jedoch habe ich von der WRG erst vor etwa 1,5 Jahren erfahren und zwar beim Surfen im Internet-Cafe einer Bücherei - ich erinnere mich gut an den Tag - ich gab den Begirff GAUMENSPALTE - in die Google Suchmaschine ein. Damals war ich down - wo bekomm dazu Info´s!
Hierbei stieß ich auf die WRG. Diese Vereinigung war mir und auch meinen Eltern unbekannt, obwohl lange eine Sprachheilschule besuchte, eigentlich hätte man da doch an der "Quelle sitzen" müssen, was Infos´angeht - Fehlanzeige! Schließlich ´fand ich auch dieses Forum, das brachte mich recht schnell sehr viel weiter.
Mathias

Karina
14.12.2005, 20:30
Hey ihr!

Ich kriege keine Depressionen vom Forum und ich mach mir auch keine großen Gedanken um meine Spalte. Ich mach mir viel mehr Gedanken um andere mit Spalte und finde es sehr erschütternd, wie sehr doch einige damit Probleme haben. Ich habe bei mir festgestellt, dass ich mir weniger um meine Situation Gedanken mache seit ich im Forum bin andererseits habe ich so viel zu tun, dass mir gar keine Zeit bleibt da viel drüber nachzudenken. Ich grübel im Grunde nur darüber nach, wenn ich zu viel Freizeit habe und am durchhängen bin. Im Moment ist das ganze für mich überhaupt kein Thema. Da ich mit allem "durch" bin sind die Infos hier für mich zwar ganz interesant wahrzunehmen aber ändern will an mir nichts mehr. Ich freue mich aber, wenn ich jemand mit meinen "Weisheiten" weiterhelfen kann.

Was ich nicht verstehe, warum man sich aus dem Forum verabschieden muss und seinen Nic löschen lässt, wenn man nicht mehr schreiben möchte. Muss das sein?

Liebe Grüsse

Karina

Mathias
14.12.2005, 20:38
Hallo Karina,
kann ich auch nicht nachvollziehen!
Mathias :balloon:

oekozicke
14.12.2005, 22:22
Huhu,

Also ich kriege von diesem Forum keine Depressionen, warum auch? :razz: Ich werde ja auch so jeden Tag an meinen "Schönheitsfehler" erinnert wenn ich in den Spiegel schaue. Und ganz echt: Ich finde mich auch so hübsch.
Soll ich jetzt resignieren nur weil ich nicht so aussehe wie die anderen, nö danke da mache ich nicht mit.
Schade, dass es manche so belastet! Ich glaube auch nicht dass das Forum daran Schuld ist, sondern dass auch schon vorher SChwierigkeiten mit der Situation besteht.
Fürmich ist dieses Forum einfach nur Information, Spaß, Austausch.
Lasst euch nicht runterziehen, Leute!

Grüße

Anonymous
14.12.2005, 23:12
Hi,

erstmal ..... es sollte nicht als Kritik ans Forum oder deren Betreiber verstanden werden .... so ist es nunmal in einem Forum, was sich mit einem bestimmten medizinischen / psychologisch bedeutsamen Themenkomplex beschäftigt und solche Fälle gibt es öfter in ähnlichen Foren. Wenn einer sich entscheidet, zu gehen, weil es ihn belastet - daran hat keiner Schuld. Aber man sollte es ihm auch nicht anlasten. Die Konfrontation mit ggf. verdrängten Ereignissen, Gedanken, Erinnerungen kann den einen oder anderen ein wenig aus der Bahn werfen-

Es gibt nunmal labile Naturen, die mit sowas irgendwann mal überfordert sind, genauso wenn jemand sagt "ich kann kein Blut sehen", das hat auch nicht unmittelbar was mit Depressionen zu tun - mit diesem Begriff sollte man ohnehin sorgsam umgehen. Deshalb ist es auch nicht angebracht zu sagen "man kann hier Depressioen bekommen". Das Lesen eines Forums kann keine Depressionen auslösen ....

das mal zur Klarstellung.

lg,
Ron

Admin: Editiert auf eigenen Wunsch!

blondi
15.12.2005, 11:00
Hallo,

im Großen und Ganzen kann ich Ron&Co zustimmen.

Mir ging es eine Zeitlang mal ähnlich und war auch nicht mehr so aktiv im Forum.

Ich denke es es nicht gut,wenn man sich die ganze Zeit mit dem Thema beschäftigt. Wie hat mal jemand aus dem forum so schön geschrieben. Die Spalte ist ein Teil deines Lebens aber nicht dein (ganzes) Leben.
Mir ging es so, dass ich z.T. auch "bessere" Ergebnisse gesehen habe, oder Sachen die bei anderen auf Anhieb geklappt haben.. (bei mir brauchte es einige Anläufe..) und dann habe ich mir die Frage gestellt, warum es bei mir nicht schneller geht...

Klar ist es richtig und wichtig sich damit auseinanderzusetzen, habe ich vielleicht zu wenig gemacht, daher kann ich auch nicht so gut darüber reden, aber wenn man ständig mit den ganzen Problemen, Ereignissen und Erinnerungen konfrontiert wird, zieht es einen eher noch mehr runter..und man verfällt schnell ins Selbstmitleid...

Nichts desto trotz finde ich das Forum eine gute und wichtige Sache,
denn ich glaube viele haben hier schon viel Mut zugesprochen, Tipps, Hilfen etc bekommen.

So long,

Anna

Ben
15.12.2005, 18:24
@ Karina: Besser hätte ich es auch nicht formulieren können!

Katja
15.12.2005, 22:06
Vermutlich habt Ihr Recht, dass die Kinder von heute es einfacher haben werden, da das Thema LKGS von Beginn an (meistens jedenfalls) offen besprochen wird in der Familie.

Ich glaube, ich habe einfach "Glück" gehabt, dass ich recht offen erzogen wurde, nie versteckt, und dass ich mir im Laufe meines bisherigen Lebens Selbstvertrauen aneignen konnte. Hinzu kommen gute Operateure, keine nennenswerten negativen Erlebnisse...

Es hat mich einfach etwas traurig und nachdenklich gemacht, dass es einige Mitmenschen gibt, welche auch heute noch unter ihrer Vergangenheit leiden. Und dass dieses Forum, welches ja auch eien Art "Selbsthilfegruppe" ist, leider nicht den gewünschten Effekt hatte.
Hoffentlich fangen sich die Personen wieder, ich freue mich, wenn sich jemand hier kurz mal wieder meldet: "Hallo, mir geht es besser!". Und wahrscheinlich ist das Forum dann wirklich eher eine Hilfe für die Menschen, welchen noch einiges bevorsteht an OPs etc., also z.B. die Eltern hier.

Liebe Grüße
Katja

Annika
15.12.2005, 22:14
Hey,

also ich schreibe im moment auch nicht mehr so viel, weil meine Eltern und Geschwister mir immer beigebracht haben, dass ich mehr bin als nur meine Spalte (Danke Mama, wenn du das liest) und wenn ich dann tagtäglich hier alles lese, was wer wieder gemacht bekommt oder welchen Arzttermin man jetzt wieder hat, dannist das in meinen Augen teilweise völlig übertrieben, weil die Spalte in meiner Familie nie ein wichtiges Thema war [ Mein größter Bruder meinte zB am Dienstag oder Mittwoch, warum ich operiert werden muss, ich habs ihm gesagt und dann war wieder Schluss mit "Spalte" und wir haben normal weitergeredet]. Um jetzt auf Katjas Frage einzugehen, ich finde, dass dieser Depressionsgrund auf jedenfall Typenabhängig ist, weil ich zB früher nie mit der Spalte konfrontiert wurde finde ich es teilweise schon belästigend, wenn hier in deisem Forum nur über die Spalte geschrieben wird (klar, es ist ja ein Spaltenforum ;) )
Wenn man als Spaltenkind aber Eltern haben, die einen ständig mit der Spalte "konfrontieren" ist das Kind das ja gewöhnt und dann empfindet es die Konfrontation später nicht mehr als so schlimm.
Außerdem denke ich auch, dass es eine Rolle spielt, was die Spalte für einen Stellenwert in der Familie hat, wenn also auch zu Hause beim Abendbrot ständig darüber geredet wird, oder wenn es einfach das Normalste der Welt ist, ist das schon ein großer Unterschied.
Desweiteren finde ich auch, dass es eine Rolle spielt, ob die Eltern hyperempfindlich aufgrund der Narbe sind, bei mir war das früher so, dass wenn meine Narbe jetzt zB rot war, dann hat meine Ma nur Nivea Creme draufgetan und ist nicht zum nächsten Arzt gelaufen oder ich habe früher immer viel matsch gegessen und da hat sie dann auch nicht draufgeachtet dass da jetzt nichts in die Narbe kommt und für diese Lässigkeit meiner Eltern bin ich total dankbar, weil ich dadurch nicht so viel Zeit damit verbringe über meine Spalte nachzudenken, sondern die Zeit anders nutze ;)

So, das wars....

Annika

Nicole und Julia
15.12.2005, 23:12
Hi,

erstmal ..... es sollte nicht als Kritik ans Forum oder deren Betreiber verstanden werden .... so ist es nunmal in einem Forum, was sich mit einem bestimmten medizinischen / psychologisch bedeutsamen Themenkomplex beschäftigt und solche Fälle gibt es öfter in ähnlichen Foren. Wenn einer sich entscheidet, zu gehen, weil es ihn belastet - daran hat keiner Schuld. Aber man sollte es ihm auch nicht anlasten. Die Konfrontation mit ggf. verdrängten Ereignissen, Gedanken, Erinnerungen kann den einen oder anderen ein wenig aus der Bahn werfen-

Es gibt nunmal labile Naturen, die mit sowas irgendwann mal überfordert sind, genauso wenn jemand sagt "ich kann kein Blut sehen", das hat auch nicht unmittelbar was mit Depressionen zu tun - mit diesem Begriff sollte man ohnehin sorgsam umgehen. Deshalb ist es auch nicht angebracht zu sagen "man kann hier Depressioen bekommen". Das Lesen eines Forums kann keine Depressionen auslösen ....

das mal zur Klarstellung.

lg,
Ron

Admin: Editiert auf eigenen Wunsch!

Genau richtig... der wo es anders verarbeiten will und möchte der soll das tun, jedem selber überlassen.

Ich bin auch weniger hier weils zzt keine schwerwiegenden Probleme gibt, bin aber froh falls welche auf uns zukommen sollten hier bestimmt immer wen zu finden den ich fragen könnte, oder der hilft bei mieser Laune und Depris einen wieder aufzubauen.... so wie ich das versuche wenn ich sehe es ist Not am Mann!

Also... jeder wie er möchte und kann!