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Kirsten und Noel
09.12.2005, 23:26
Hi Ihr Lieben,
achtung - hier kommt mal wieder eine kritische Anmerkung *unbeliebtmach*:
da dass ja offenbar gerade aktuell ist: hierzulande ist es ganz allgemein üblich, dem Baby Beikost anzubieten, sobald es 4 Monate alt ist - oder gar noch jünger. Das ist aber in den meisten Fällen weder nötig noch sinnvoll, ja es birgt sogar Risiken! Z.B.:
-höhere Anfälligkeit des Säuglings für Durchfallerkrankungen

-Nährwert der Beikost ist geringer als der von Muttermilch (und auch von künstlicher Milchnahrung), d.h. in den meisten Fällen nimmt das Kind nun erst einmal weniger Kalorien zu sich - also genau das Gegenteil von dem, was beabsichtigt war!

-fertige Gläschenkost ist oft viel zu salzig, also viel natriumhaltiger als Muttermilch. Eine hohe Natriumaufnahme aber ist einer der Hauptfaktoren für Bluthochdruck. Zu früh beigefütterte Babys haben somit ein höheres Risiko, später an Bluthochdruck zu erkranken.

-zu frühe Einführung von Beikost fördert das Entstehen von Nahrungsmittelallergien

Also: auch wenn es so aussieht, als ob die frühe Beikost dem jungen Baby gut bekommt, ist es tatsächlich eher so, daß die meisten Säuglinge sich, obwohl sie eigentlich noch nicht reif für halbfeste Nahrung sind, sich dieser notgedrungen anpassen: sie lernen, die Nahrung aufzunehmen, obwohl die Reflexbewegungen des Mundes noch nicht wirklich dazu bereit sind, die Nieren reagieren mit einer Erhöhung ihrer Filterkapazität, und das Verdauungssystem beginnt mit einer verstärkten Produktion von Verdauungsenzymen (die normalerweise erst später einsetzt), um bisher unbekannte Stoffen wie etwa Stärke besser verarbeiten zu können. Vorgesehen ist das allerdings nicht, und die Langzeitrisiken dieser frühzeitigen "Zwangsaktivierung" des kindlichen Verdauungssytems für halbfeste Nahrung sind bislang nicht erforscht.

Die WHO empfiehlt, frühestens erst ab 6 MOnaten mit Beikost zu beginnen,, da in diesem Alter die meisten Babies "reif" für festere Kost sind. Allerdings gibt es da durchaus Unterschiede, man darf natürlich nicht sklavisch nach der Alterstabelle gehen. Manche Babys sind mit 5 oder 6 Monaten so weit, andere vielleicht erst später, mit 7, 8 oder 9 Monaten!
Reif für Beikost ist das Baby, wenn es einen bestimmten neuromuskulären Entwicklungsstand erreicht hat, der im Klartext so aussieht:

-es kann den Kopf aufrecht halten
-es kann alleine selbständig sitzen
-es kann die Hände bewusst zum Mund führen
-der Extrusions- oder Zungenstreckreflex ist verschwunden - d.h. die halbfeste Nahrung wird nicht sofort wieder mit der Zunge aus dem Mund befördert

Bis dahin lieber nur Muttermilch! oder Pre-Nahrung. Und wenn es dann losgeht, kann Beikost zunächst wirklich nur Beikost sein. Zwei oder drei Löffel Brei sind für den Anfang ausreichend. Manche Babys mögen auch keinen Brei - Beikost muss keine Breikost sein. Ebenso gut oder besser geeignet sind frische Lebensmittel vom Familientisch als "Fingerfood": eine gekochte Kartoffel, Erbsen, Banane, Birne, Brot...
Wichtig ist: das Kind hat die führende Rolle, es wird nicht gefüttert, es isst von Anfang an aktiv (auch wenn es eine schöne Matscherei am Tisch gibt - so kann das Kind Essen mit allen Sinnen begreifen und Erfahrungen sammeln, und wird früh selbständig sauber essen lernen).

Es heisst ja immer so schön, das Kind müsse endlich mal was "richtiges" bekommen! Nur mal so zum Vergleich:
100 ml Muttermilch haben etwa 70 kcal, 100 g Karotten haben etwa 20 kcal. Um also die gleiche Kalorienzahl wie mit 100 ml Muttermilch zu bekommen, müsste das Baby mehr als 400 g Karotten essen!!! :!:

Der spanische Kinderarzt Dr. Gonzales hat untersucht, wie viel Muttermilch (MM) ein Baby im Alter zwischen neun und zwölf Monaten benötigt, um den empfohlenen Bedarf an verschiedenen Nährstoffen zu decken:

Energie: 830 kcal = 1185 ml MM
Eiweiss: 9,6 g = 910 ml MM
Vitamin A: 350 µg = 700 ml MM
Vitamin B: 0,4 µg = 412 ml MM
Vitamin C: 25 mg = 625 ml MM

D.h. auch ein älteres Baby braucht noch nicht zwingend Beikost. Es geht dabei eher noch um das Erlernen des Essens als wirklich um das Decken von Nährstoffbedarf.


Zum Thema Spalte und Brei: viele Babys, bei denen der Gaumen noch "auf" ist, mögen es nicht, wenn Brei in die Nase kommt. Manche stört es aber auch gar nicht. Wenn es Baby mit Spalte keinen oder nicht viel Brei essen mag, kann das natürlich mit der Spalte zusammenhängen, MUSS aber nicht. Auch viele Babys mit Spalte mögen keine halbflüssige Nahrung oder entdecken erst gegen Ende des zweiten Lebenshalbjahres ihren Appetit auf festere Kost.

Viele Grüße von
Kirsten

Nina mit Leonie
11.12.2005, 20:12
Hallo Kirsten!

Das ist ja mal ein schöner "Vortrag"!
Ich hoffe mal, daß viele Leute ihn lesen und vielleicht auch davon lernen.
Ich kann es - ehrlich gesagt - nicht verstehen, warum immer noch so viele Eltern zu früh zufüttern. Ich habe es bei meiner großen Tochter auch gemacht. Fa war ich aber 17 Jahre alt und habe den Erfahrungen meiner Mutter blind vertraut. Nur leider wurden meine Geschwister und ich zu der Zeit geboren, als Rooming-in schlecht für´s Kind, stillen nicht so wichtig und Muttermilchnach 12 Wochen nicht mehr ausreichend war. :eek:

Zum Glück habe ich mich bei meiner 2. Schwangerschaft besser informiert und bin zu einer Art "Still-Freak" geworden. Meine 3. Tochter wird Neujahr 6 Monate alt und ich bedaure, daß dann der erste Schtritt zum Abstillen getan wird.

Seit meine große Tochter an einer schlimmen Form von Neurodermitis leidet, plage ich mich natürlich mit der Frage herum, ob alles auch so gekommen wäre, wenn ich sie gestillt und nicht im Alter von 12 Monaten mit Banane-Zwieback-Brei gefüttert hätte!?

Also, genie0t die Stillzeit, bzw. die Flaschenzeit so lange wie möglich! Die Folgen könnten so gravierend sein!
(und außerdem ist das Breifüttern in einem zarteren Alter als 6 Monate ein riesengroßer Schweinkram!)
:wink:

Gerda mit Luca
11.12.2005, 22:39
Hallo Kirsten,

. . . .und manche Kinder "wissen" das ;-)

Mit gut 6 Monaten haben meine Beiden die ersten Löffelchen "Karotten" abgelehnt :-) Ich habe es verstanden und nach gut 2 Wochen den nächsten Anlauf gestartet. . . . der wieder daneben ging (wenn ich das recht in Erinnerung habe.)

Janu, wie gesagt ; man darf seinen Kindern auch glauben wenn sie etwas nicht wollen 8)

Viele Grüße
Gerda

Kirsten und Noel
12.12.2005, 08:04
Seit meine große Tochter an einer schlimmen Form von Neurodermitis leidet, plage ich mich natürlich mit der Frage herum, ob alles auch so gekommen wäre, wenn ich sie gestillt und nicht im Alter von 12 Monaten mit Banane-Zwieback-Brei gefüttert hätte!?



Hi Nina,

darüber würd ich mir keine Gedanken machen, so rum zu denken zieht einen nur unter.... :wink: man weiss ja nicht, ob Deine Grosse nicht trotz Stillens an ND erkrankt wäre, es ist ja leider kein 100 %iger Schutz...Hauptsache ist doch, dass Du beim nächstenmal bessere Informationen hattest und auch nicht zögertest, das für Dich und Deine Kinder umzusetzen!


Janu, wie gesagt ; man darf seinen Kindern auch glauben wenn sie etwas nicht wollen 8)



Genau Gerda - ob's nun um Gaumenplatten oder um Beikost geht.... :D

Liebe Grüße von

Nicole und Julia
12.12.2005, 19:40
Gut das Jule bis zum 6ten Monat den Gaumen noch auf hatte... da wollte ich gar nicht mit Gläschen anfangen... die hat sie auch erst nach der OP bekommen und gefuttert wie nix... also nix wieder rausbefördert....


obwohl das hat Floh mit 5 Monaten auch nicht, der hat den Brei verputzt als hätte er schon soooo lange drauf gewartet.. und er ist schlank und rank und guter Dinge! :D

Andreafly
20.12.2007, 10:32
Ich war bei einem Vortrag zum Thema Beikost und möchte euch davon was weitergeben.
Es ging hier darum die Babykosten selbst zu bereiten:

Zum Beginn der Beikostzeit werden ja immer nur ein Löffelchen gegeben und die Menge nach und nach erhöht.

Hier der Tipp:
Gleich eine große Menge an BIO Gemüse wie zB Karotten kochen und fein pürieren und in Eiswürfel einfrieren. Am Anfang gibt man 1 "Eiswürfel" dann 2...
und erhöht so die Menge. Das selbe mit Fleisch und verschiedenen anderen Gemüsesorten und dann kombinieren zu können.

Wenn das Kind schon an die 200 g Gemüsebrei isst, nimmt man 1-2 Eiswürfel vom Fleisch (Rind oder Pute) ev Getreideflocken und kühlt so vielleicht den gerade frisch gekochten heiße Gemüsebrei damit herunter und hat eine schnelle Mischkost in Esstemperatur! Öl nicht vergessen!
Ich habe es schon probiert und Gefallen daran gefunden.

Der Vorteil iegt auf der Hand:
Kosten günstiger als Gläschen und man wirft nicht so viel weg.
Salzlos!
Keine extra Kilos beim Gläschenkauf!
Und etwas mehr Zeit für andere Dinge.

Vielleicht kann jemand was damit anfangen.