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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Luftstromlenkungsübungen


A.Makdissi
11.09.2005, 23:00
Ich habe beim Durchlesen des vorherigen Themas "Luftstromlenkungsflöte" gemerkt, das vielleicht noch Unsicherheit besteht, ob man jetzt Blas- und Ansaugübungen machen darf oder nicht.

Bis zum operativen Verschluss von Gaumen-Segel-Fehlbildungen wird immer Luft durch Mund UND Nase entweichen. Das bedeutet, dass die Sprechatemkraft vermindert wird, und besonders Kinder Schwierigkeiten haben, ihren Luftstrom willkürlich zu steuern.

Ausserdem führt dies zu einem nasalen Stimmklang, der sich sehr schnell einschleift - zu einer bleibenden Nasalität führt.

Um dies positiv beeinflussen zu können, sind Luftstromlenkunsübungen auch im frühen Kindesalter sinnvoll. Desweiteren wird die Atemmuskulatur gestärkt, und den Kindern werden so die Atemwege/besonders die Nasenatmung bewusst gemacht.

Zur Sensibilisierung und Anbahnung der Nasenatmung eignen sich Riechspiele.

Dies gilt übrigens auch für Erwachsene!

Wirklich "schädigen" können diese Übungen nicht - es muss nur (z.B. vom behandelnden Logopäden) festgestellt werden, welche Übungen sich am Besten eignen (Bei Hypernasalität-geschlossenem Näseln kommt zu wenig Luft durch die Nase, deshalb sind hier Blasübungen für die Nase sinnvoller).

Zu Beginn der Übungen ist es durchaus erlaubt, die Nase zu zukneifen, um dem Kind überhaupt eine willentliche Atemführung zu ermöglichen. Später sollte dann aber im Wechsel mit offener/geschlossener Nase und schließlich nur noch mit offener Nase geübt werden.


So, ich hoffe, dass ich allen damit ein bisschen mehr Klarheit verschaffen konnte :)

Kirsten und Noel
11.09.2005, 23:03
Hi und danke für Deine Einschätzung!
In dem von mir zitierten Text liest dich das aber ganz anders, was sagst Du denn genau dazu? Würd mich mal interessieren!
Liebe grüße,

A.Makdissi
11.09.2005, 23:26
Ich kenne den Text von Frau Wohlleben nicht, und ich gestehe, dass ich die Begründung mit der kompensatorischen Hypofunktion (bedeutet: schlaffe Funktion - als Kompensator?) nicht wirklich verstehe :?
War der Satz wörtlich zitiert?

Also meiner Erfahrung nach (und auch der anderer bekannter autoren wie z.B. Sandra Neumann, J.Wulff, Hochmuth/Städtler) sind Luftstromlenkungsübungen sinnvoller Bestandteil des Frühförderkonzeptes.

Natürlich soll man nicht "auf Teufel komm raus" täglich pusten üben! Und ich erkläre den Eltern genau, worauf sie beim Üben achten müssen, damit dass Kind eben nicht versucht zu kompensieren.

Ich habe jedenfalls noch keine negativen Erfahrungen gemacht - aber man darf auch nicht vergessen, das diese Übungen nur ein kleiner Bestandteil des Therapiekonzeptes ist.

Kirsten und Noel
12.09.2005, 08:54
Hallo Aila,

das Zitat war ja für die Allgemeinheit bestimmt, darum hatte ich ihn etwas gekürzt, wie Du an den Auslassungszeichen sehen kannst! Hier nochmal der volle Wortlaut für die Fachfrau :wink:

"In der hier beschriebenen Methode wird darauf verzichtet, weil die Erfahrung zeigt, dass die generelle Tendenz des Patienten mit Spaltbildung zur kompensatorischen Hyperfunktion auf der Basis einer eher hypotonen Gesamtkörperspannung mit derartigen Übungssequenzen ungünstig beeinflusst wird."

Frau Wohlleben möchte das Velum lieber durch alle ganzkörperlichen Aktivitäten, die mit Spannung der abdominalen Muskulatur und Zwerchfellstütze durchgeführt werden, fördern. Hört sich für mich ziemlich sinnvoll an...jedenfalls finde ich es nicht so ganz angebracht, jetzt so auf eigene Faust das Kind zum Blasen und Pusten anzuhalten, da wir als Laien doch überhaupt nicht bestimmten können, wo bei unseren Kindern die Leistungsgrenze der Segelmuskulatur liegt. Da können wir sie doch allzuleicht überfordern, oder?

Liebe Grüße von

Gabi und Lukas
12.09.2005, 08:57
Liebe Ayla!
Meine Logopädin mahnt auch eher zur Vorsicht. Ich denke, es ist zumindest schonmal wichtig, wenn Du sagst, dass diese Puste-Übungen nur einen kleinen Teil der Therapie ausmachen sollen. Ich kenne da gewisse Logopädinnen, die das anders sehen....
Und wir Mütter neigen natürlich dazu, es zu Hause dann gleich zu übertreiben, wenn wir auf etwas gestoßen sind, was leicht nachzumachen ist.
Lukas' Logopädin meint, ich müsste mit ihm momentan überhaupt keine Luftstromlenkungsübungen machen, weil er auf dem Gebiet alles richtig macht. Und ich habe genug Vertrauen in sie, dass sie die Lage richtig einschätzt.
Liebe Grüße von Gabi

A.Makdissi
12.09.2005, 10:01
Guten morgen!

Ich glaube, ich habe mich vielleicht nicht so glücklich ausgedrückt:

Natürlich ist es ganz wichtig, vorher mit dem behandelnden Therapeuten abzusprechen, was zu Hause geübt werden darf. Ich möchte hier niemanden dazu anleiten auf eigene Faust "herumzutherapieren".

Ich wollte nur erklären, warum man diese Übungen macht, und was sie bewirken.
Jetzt verstehe ich übrigens auch das Zitat von Fr Wohlleben, da hatte sich ein kleiner Fehler eingeschlichen :)
Sie ist der Meinung, das Patienten bei diesen Übungen mit einer HYPER-Funktion kompensieren (also zu viel Kraft/Spannung einsetzen), obwohl der allgemeine Tonus eher HYPOton ist (Muskelspannung zu schlaff).

ABER: Ich habe nicht geschrieben, dass diese Übungen das Ziel haben, das Gaumensegel (Velum) zu aktivieren! vielmehr soll die Wahrnehmung verbessert (Bewusstmachung der Atemwege/Atemführung) werden - Ziel ist nicht die Aktivierung von Muskulatur! Dafür gibt es andere Übungen.

Also, wie schon mal geschrieben: erst mit dem behandelnden Therapeuten absprechen ob, und welche Übungen sinnvoll sind. Dieser sollte den Eltern dann auch erklären, wie geübt wird.
Und man muss nicht jeden Tag wie wild pusten üben, sondern ab und zu reicht völlig aus. Ausserdem soll es dem Kind ja auch Spaß machen und nicht in einen Trainingsmarathon ausarten :wink:

Kirsten und Noel
12.09.2005, 12:05
Jau, es war ein Typo drin, ich war in Gedanken schon bei der hypotonen Gesamtspannung! :wink:
Aber ich glaube, wir sind uns in Hinsicht auf die Luftstromübungen im Grunde alle einig, oder?

Übrigens hatte ich ja auch gar nicht behauptet, dass Du die Blasübungen als Segeltraining empfohlen hättest - es ist nur so, dass Frau Wohlleben in dem besagten Buch eben darauf hinweist, dass solche Übungen von vielen Therapeuten klassischerweise für das Velumsfunktionstraining eingesetzt werden, als Therapie bei Hypernasalität...im übrigen ist das Buch auch sonst ziemlich interessant, die Frau hat echt ein enormes linguistisches Hintergrundwissen!

Karina
12.09.2005, 14:28
Hey ihr!

Bin in Sachen Logopädie zwar nicht so belesen, aber vielleicht kann ich ja mal aus meiner Erfahrung heraus etwas dazu sagen. Meine Mutter hat mit mir früher rund um die Uhr pusten geübt, bei jeder kleinen Gelegenheit. Die Übungen haben wir von Frau Dr. Dieckmann von der Uni Rostock bekommen oder wir waren selbst kreativ. Nach meiner Velopharyngoplastik war ich bei einem (sehr merkwürdigen) Logopäden, der mit mir diese Ganzkörper-Spannungsübungen gemacht hat um die neu zusammengefügte Muskulatur zu stärken und die lädierten Nerven wieder zu aktivieren. Diese Übungen habe ich nie zu Hause geübt (obwohl ich es sollte). Trotzdem bewunderte der Logopäde jedes Mal wieder meine enormen Fortschritte. -die tatsächlich nichts mit den Übungen zu tun haben können, weil ich sie nie gemacht habe. (höchstens für ein paar Minuten bei der Therapie)

Ich würde die Luftstromübungen aus dieser Erfahrung heraus vorziehen und glaube auch nicht, dass man damit was verkehrt machen kann. Ich spreche schließlich heute einwandfrei (könnt mich ja leider nicht hören). Durch meinen Gesangsunterricht wurde das zwar auch noch besser, aber das ist im Grunde nichts anderes als eine Kombination aus Körperspannung und kontrolliertem Luftstrom.

Luftstromübung insbesondere das Pusten dienen ja nicht nur dem Luftstrom sondern auch der Mundmuskulatur, die auch für die Minik später wichtig ist.

Naja, wenn man entsprechend motiviert ist für die Spannungsmethode, kann ich mir schon vorstellen, dass das was bringt. Ich denke, wenn das Kind die Luftstromlenkugsübungen besser findet (Logopädie hat ja auch was mit Spaß und Motivation zu tun), sollte am es ruhig machen lassen und da keine Angst haben, etwas falsch zu machen.

Liebe Grüße, Karina